Sauberes Trinkwasser entscheidet über Gesundheit, Bildung und Zukunft – doch für ein Viertel der Weltbevölkerung ist es noch immer unerreichbar. Helvetas unterstützt Gemeinden dabei, sichere Brunnen, Hygiene und sanitäre Anlagen aufzubauen und schützt so besonders verletzliche Menschen vor Krankheiten und Armut.
Wieso setzt sich Helvetas für Wasser ein?
Wer in einem Land mit hohem Einkommen lebt, verbraucht für das Kochen, Putzen und Waschen mindestens 150 Liter sauberes Wasser pro Tag. Diese Menge entspricht etwa zwei vollen Badewannen! Für viele von uns ist fliessendes Wasser aus dem Hahn selbstverständlich. Doch Frauen und Mädchen in armen Ländern verbringen oft mehrere Stunden am Tag, um an einem Fluss oder Tümpel Wasser zu holen.
Trotz grosser Fortschritte in den letzten Jahren haben noch immer rund 2,2 Milliarden Menschen (jeder vierte Mensch) keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser, und etwa 703 Millionen Menschen haben nicht einmal eine grundlegende Trinkwasserversorgung. Zudem fehlt schätzungsweise 3,4 Milliarden Menschen der Zugang zu sicheren sanitären Einrichtungen. Zahlreiche Krankheiten in Ländern mit niedrigem Einkommen entstehen wegen schmutzigem Wasser und schlechter Hygiene.
Helvetas erzielt Wirkung
1'071'965 Frauen und Männer haben sich 2024 Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen und guter Hygiene erarbeitet. Gemeinsam mit Helvetas haben sie solarbetriebene Brunnen und Latrinen installiert und wichtige Hygieneregeln erlernt.
Unser mehrsprachiges Team für Wasser und sanitäre Grundversorgung berät sowohl Helvetas-Projektmitarbeitende als auch externe Kund:innen.
Engagement von Helvetas für Wasser und Sanitärversorgung
Helvetas verfügt über langjährige Erfahrung in der Umsetzung von Wasserprojekten und arbeitet in zahlreichen Dörfern und Quartieren gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung daran, zuverlässige Wasserversorgungen aufzubauen und nachhaltig zu unterhalten. Wir unterstützen und beraten Gemeinden beim Bau von Brunnen, Wassertürmen und Regenwasserbecken und fördern gleichzeitig den Bau sanitärer Anlagen, etwa von Toiletten in Schulen. Dadurch wird nicht nur die sanitäre Grundversorgung verbessert, sondern auch die Hygiene insgesamt gestärkt.
Ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist die Gründung lokaler Wasserkomitees. Diese sorgen dafür, dass die Anlagen langfristig gepflegt werden und auch in Zukunft zuverlässig funktionieren. Parallel dazu werden die Begünstigten im richtigen Umgang mit Trinkwasser und Toiletten geschult, um die gesundheitlichen Vorteile der Infrastruktur optimal zu nutzen.
Bei der Planung legen wir grossen Wert auf möglichst kostengünstige und zugleich wirksame Verfahren, deren Nutzen der gesamten Gemeinschaft zugutekommt. Die Nutzerinnen und Nutzer verpflichten sich, einen angemessenen Teil der Aufwände selbst zu tragen – meist in Form von Gemeinschaftsarbeit oder durch das Bereitstellen von Baumaterialien wie Kies oder Holz.
Zudem wird jedes Wassersystem sorgfältig an das lokale Klima und die verfügbaren Wasservorkommen angepasst, sodass die Anlagen auch unter herausfordernden Bedingungen funktionsfähig bleiben und den Menschen langfristig Zugang zu sauberem Wasser ermöglichen.
Das Wasser, das während der Regenzeit auf die Dächer fällt, wird in Wassertanks aufgefangen und steht während trockenen Perioden zur Verfügung.
Die Grundwasservorkommen können genutzt werden dank Brunnen, die bis zu 80 Meter in die Tiefe reichen.
Das Wasser einer oder mehrerer Quellen wird gefasst, nötigenfalls mit Chlor behandelt und über ein Leitungssystem in einen Dorfteil oder in die Höfe geleitet.
Auch wenn der Gemeinschaftsbrunnen sauberes Wasser führt, wird dieses oft durch unsachgerechtes Transportieren oder Lagern wieder kontaminiert. Es ist daher wichtig, dass die Begünstigten verschliessbare Behälter mit einem Hahn benutzen und diese regelmässig desinfizieren oder das Wasser zu Hause behandeln mit Filtern, Chlor oder mit der Sodis-Methode.
Das Händewaschen an kritischen Momenten (vor dem Essen, nach der Toilette) ist enorm wichtig, um einer Re-Kontamination entgegenzuwirken. Daher ist Hygieneausbildung insbesondere der jungen Begünstigten ein fester Bestandteil von Helvetas Wasserprojekten.
Damit die Begünstigten ihr direktes Umfeld nicht mit möglichen Krankheitsträgern verschmutzen, ist es sehr wichtig, dass neben dem Bau von Trinkwasseranlagen auch Toiletten erstellt werden.
Wasser-Patenschaft
Wasser und Gesundheit
Wer schon einmal eine Darmgrippe hatte, weiss, wie schwach und antriebslos man sich dabei fühlt und dass der Körper nicht mehr fähig ist, Nahrung und Ballaststoffe aufzunehmen. Doch nach einigen Tagen ist die Störung vorbei. Ist der Organismus aber geschwächt, kann eine akute Infektion sogar zum Tod führen. Angesichts der prekären Lebensbedingungen sind ernste gesundheitliche Risiken aufgrund von Erkrankungen des Verdauungssystems für Menschen in Entwicklungsländern ungleich höher als bei uns. Darmwürmer, Amöben, Typhus oder Cholera sind vor allem in tropischen Ländern endemisch, machen die Menschen schwach und behindern die Entwicklung.
Täglich sterben mehr als 1'000 Kinder an Krankheiten, die auf mangelnde Wasserhygiene zurückzuführen sind, mehr als an AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen.
Auch ist es viel schwieriger, sich von einer Durchfallerkrankung zu erholen, wenn zum Gesunden kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht. Investitionen in die Trinkwasserversorgung und in Abwassersysteme sind aus volkswirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Sicht enorm wichtig, denn sie
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verhindern lebensbedrohende Krankheiten und damit Todesfälle.
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sparen Geld, das sonst für Medikamente, Arzt- und Spitalbesuche ausgegeben würde.
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verbessern die Bildung, weil gesunde Kinder regelmässig zur Schule gehen und besser lernen können.
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steigern die Produktivität, weil gesunde Menschen mehr leisten können und Geld für Investitionen übrig haben.
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sorgen für eine gesunde Umwelt, weil keine giftigen Abwässer in den Boden gelangen.
Investitionen in die Wasserversorgung und die sanitären Einrichtungen lohnen sich also. Laut einer Studie des Bundes generiert jeder in Wasser und Siedlungshygiene investierte Franken einen wirtschaftlichen Mehrwert von 3 bis 5 Franken.
