© Helvetas / Simon B.Opladen
Tansania

Den Unternehmergeist wecken

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850'000 junge Frauen und Männer gelangen in Tansania jährlich auf den Arbeitsmarkt. Diesem Angebot an Arbeitskräften stehen 40’000 formelle Arbeitsstellen gegenüber. Das Projekt YES ermöglicht jungen Frauen und Männern eine auf den lokalen Markt ausgerichtete praktische Kurzausbildung und unterstützt sie beim Start ins Erwerbsleben.

  • Projektname
    YES – Berufsbildung für Jugendliche
  • Projektphase
    2018 bis 2021
  • Finanzierung
    Dieses Projekt wird durch Spenden finanziert
  • Thematischer Schwerpunkt
    Grund- und Berufsbildung

Mit fachlichen und sozialen Kompetenzen zum Ziel

Kaum aus der Schule – mit oder ohne Abschluss – bleibt vielen Jugendlichen im wenig entwickelten Landesinneren Tansanias nicht viel anderes übrig, als ein kleines Stück Land zu beackern, das eigene oder ein fremdes. Rund 70 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Tansania lebt mehr schlecht als recht von der Landwirtschaft. Um einen Beruf zu erlernen, braucht es einen Sekundarschulabschluss, aber dafür fehlt vielen Familien das Geld oder die Schulen sind zu weit entfernt. Ausserdem sind die bestehenden Berufsbildungsangebote für viele unerschwinglich und nicht auf den lokalen Arbeitsmarkt abgestimmt.

Angesichts der Bevölkerungsentwicklung ist in den nächsten Jahren mit einer starken Zunahme von jungen, unqualifizierten Stellensuchenden zu rechnen. Deshalb hat Helvetas in Tansania eine Serie von praxis-orientierten Kurzausbildungen für derzeit elf Berufe lanciert, die nicht von einem erfolgreichen Schulabschluss der jungen Frauen und Männer abhängig sind. Ziel ist es, dass sie Fähigkeiten und Kompetenzen erlernen, die es ihnen erlauben, im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Im praktischen Teil lernen sie anzupacken; etwa elektrische Schaltungen zu installieren, Bienen zu züchten oder Mauern hochzuziehen. Im theoretischen Unterricht lernen sie etwa Stromkreisläufe zu planen, mit Horizontalsperren nasse Mauern zu verhindern oder die Grundlagen der modernen Honigproduktion.

Neben den Fachkompetenzen stärken die jungen Frauen und Männer in den Kursen auch ihre Sozial- und Selbstkompetenzen. Denn nach einer Schulzeit, in der sie primär auswendig lernen mussten müssen sie nun lernen, Ideen zu entwickeln, klar zu kommunizieren und mitzudenken. In den Kursen geht es auch um Zuverlässigkeit, Eigeninitiative und Selbstvertrauen. Denn wer einen Job sucht, muss überzeugen. Wer sich selbständig machen will, muss das eigene Produkt vermarkten und verkaufen können. Entsprechend erlernen die jungen Menschen auch unternehmerische Fähigkeiten wie Geschäftsplanung, Marketing oder Finanzmanagement. So wecken die Kurzlehren den Unternehmergeist – und Zuversicht auf eine bessere Zukunft.

«Mir gefällt es in dieser Männerwelt. Ich will zeigen, dass Frauen dasselbe tun können wie Männer. Auch wenn ich hier nicht die erste Frau bin, die Maurerin ist, so bin ich doch vielleicht die zweite oder die dritte. Ich will Geschichte schreiben, Chefin sein. Dafür muss ich noch mehr lernen, mir noch mehr Fachwissen aneignen, mehr Erfahrungen sammeln. Das lerne ich jetzt zum Glück hier in dieser Ausbildung.»

Elizabeth Jackison, 28, Maurerin in Ausbildung, Tansania

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Um etwas Geld zu verdienen, pflanzt Elifuraha Yacobo, 21, Sonnenblumen an. Doch Aufwand und Ertrag stehen in keinem Verhältnis, denn die Kerne müssen von Hand geschält werden. Deshalb absolviert Elifuraha eine Imker-Ausbildung, denn Honig verspricht ein besseres Einkommen. © Helvetas / Simon B.Opladen
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Die Ausbildung zum Imker, zur Imkerin ist kurz aber intensiv – und alle Lehrlinge lernen alles: Honig ernten, Schutzanzüge nähen, die Nisthöhlen, die Beuten, für die Bienen zu zimmern und auch den Honig fachgerecht zu verarbeiten. © Helvetas / Simon B.Opladen
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Niemand mache so gute Samosas wie Sophia Maulidi, 16, heisst es im Dorf. Seit sie die Kurzlehre zur Bäckerin absolviert hat, besuchen viel mehr Kunden das Restaurant ihrer Mutter, das Sophia nun dank der neuen Kenntnisse selbst führt. © Helvetas / Simon B.Opladen
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Elizabeth Jackison, 28: «Meine Mutter sagte immer, es gibt keine Maurerinnen. Ich antwortete einmal darauf: ‘Wenn du noch nie eine Maurerin gesehen hast, dann bin ich die erste, die du sehen wirst.’ Jetzt sieht meine Mutter, was ich tue und erreiche, dass ich Geld verdiene – als einzige der Familie.» © Helvetas / Simon B.Opladen
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Deus Luhengo, 20: «Der Kurs half mir, an mich zu glauben. Vorher sah ich nur schwarz, kein Licht am Ende des Tunnels, wusste nicht, was tun. Wenn ich hier abschliesse, kenne ich verschiedene Maurertechniken und kann Erfahrung vorweisen. Dann kann ich als richtiger Maurer arbeiten und richtig Geld verdienen.» © Helvetas / Simon B.Opladen
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Mariam Albert, 21, verkaufte an Markttagen Wasser, um zum Familieneinkommen ihrer Eltern beizutragen. Heute lernt sie Elektorinstallateurin. © Helvetas / Simon B.Opladen
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Teresia Sijia, 18, will die beste Elektroinstallateurin Tansanias werden. «Ich arbeite hart dafür. Wenn ich hier fertig bin, weiss ich alles, was ich wissen muss.» Ihr Ausbildner sagt: «Die YES-Trainees sind motivierter als andere. Sie scheinen zu wissen, dass dies hier ihre «goldene Chance» ist. Sie nehmen ... © Helvetas / Simon B.Opladen
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Mit Innovation noch mehr Junge erreichen

Weil weite Wege oder Betreuungspflichten oft ein Hindernis für eine Ausbildung sind, möchte Helvetas mobile Lerneinheiten entwickeln, die im Selbststudium via Mobiltelefon absolviert werden können – zeitungebunden und im eigenen Tempo. Das kommt auch denjenigen zugute, die einen kleinen schulischen Rucksack haben.

Ziel dieser Kurzlehren ist nicht einfach eine abgeschlossene Ausbildung, sondern eine angemessen bezahlte Anstellung oder erfolgreiche Selbstständigkeit. Deshalb werden, wie von Helvetas vor zehn Jahren in Nepal entwickelt und in Äthiopien erfolgsversprechend in den afrikanischen Kontext übersetzt, Ausbildung und Einstieg ins Erwerbsleben miteinander verknüpft: Berufsschulen – staatliche wie private – erhalten die letzte Rate für die Ausbildungskosten nur dann, wenn ihre Absolventinnen und Lehrabgänger ein existenzsicherndes Einkommen erzielen oder erfolgreich selbständig sind. Das motiviert die Ausbildner, den jungen Menschen Fähigkeiten beizubringen, die auf dem Arbeitsmarkt auch wirklich gefragt sind, und diese bei der Arbeitssuche oder beim Aufbau eines eigenen Geschäfts zu unterstützen.

«Ich liebe diese Ausbildung. Sie nimmt mich von einem Leben in ein neues Leben. Ich kann jetzt mit Strom umgehen, weiss wie installieren. Ich verdiene zwar noch nichts, habe aber meinen Horizont erweitert und mir eröffnen sich neue Möglichkeiten im Leben. Ich bin sehr glücklich, hier zu sein.»

Mariam Albert, 21, auszubildende Elektroinstallateurin, Tansania

Zusammenarbeit ist der Schlüssel zum Erfolg

Wie bei allen Bildungsprojekten bezieht Helvetas die verantwortlichen staatlichen Stellen, den Privatsektor sowie die Zivilgesellschaft von Anfang an mit ein. Die Idee ist, dass gute regionale Erfahrungen auf die nationale Ebene übertragen werden, damit weit mehr als die jungen Frauen und Männer des YES Projekts in Dodoma und Singida von praxis-orientierten Kurzlehren profitieren. Die Chancen stehen gut, denn YES trägt zur Vision 2025 der tansanischen Regierung bei, die Nation in ein Land mittleren Einkommens zu entwickeln. Die Kurzausbildungen helfen, Armut zu bekämpfen und geben jungen Menschen und kommenden Generationen neue Zukunftsperspektiven.

Wie wir Menschen in Tansania unterstützen

Helvetas hilft den Bauern von Tansania dabei, ihre Anbau- und Vermarktungsmethoden zu optimieren.Und wir engagieren uns für die Primarschulbildung.

Grund- und Berufsbildung

Fehlende Bildung ist ein Grund für die Zementierung von Armut und Ungleichheit. Länder mit schlechten Bildungssystemen sind wirtschaftlich kaum konkurrenzfähig.