© Axel Fassio
Madagaskar

Kakao anbauen und gleichzeitig den Wald schützen

© Axel Fassio

Der Nordwesten Madagaskars ist bekannt für seine fruchtigen Kakaobohnen. Doch leidet die lokale Bevölkerung unter hoher Armut und dem Klimawandel. Als Alternative zur weitverbreiteten Brandrodung setzt sich Helvetas für den nachhaltigen Kakaoanbau ein. So profitieren nicht nur Kleinbäuer:innen sondern das ganze Ökosystem. Helvetas verfolgt dabei den Landschaftsansatz in Zusammenarbeit mit sieben Privatsektorpartnern und wird unterstützt durch die Schweizer Plattform für nachhaltigen Kakao. 

  • Projektname
    Climate-resilient Landscapes Sambirano
  • Projektphase
    2023 bis 2027
  • Finanzierung
    SECO/ Swiss Plattform for Sustainable Cocoa, Lindt & Sprüngli, Villars Maître Chocolatier SA, Pronatec AG, MIGROS, Walter Matter SA, Max Felchlin AG, Touton SA
  • Thematischer Schwerpunkt
    Klimawandel und Katastrophenvorsorge
    Wasser, Ernährung und Klima
    Wirtschaftliche Entwicklung

Im Nordwesten des Landes, entlang des Flusses Sambirano, leben die Menschen von der Landwirtschaft und vom Kakaoexport: Letzterer bildet die wichtigste Lebensgrundlage für die Bevölkerung. Rund 33'000 überwiegend kleinbäuerliche Kakaobäuer:innen produzieren etwa 10 bis 14.000 Tonnen Kakaobohnen pro Jahr: Ganze 95% des madagassischen Kakaos kommen aus dieser Region. Trotzdem leben viele unterhalb der Armutsgrenze. Grosse Teile der Wälder sind der Brandrodung zum Opfer gefallen – für zusätzliche Felder und Holzkohle und nicht zuletzt, weil alternative Einkommenszweige fehlen. So hat Madagaskar in den letzten 60 Jahren rund 44% seines Waldes verloren. 

Folgen der Abholzung sind Erosion und Verlust an Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität. Die hohe Sedimentationsbelastung beeinträchtigt den Wasserhaushalt und die landwirtschaftliche Produktion im Sambirano-Tal erheblich. Gleichzeitig bedroht der Klimawandel die Kakaoproduktion zunehmend. 

Um eine langfristige Perspektive für die Menschen – und den Wald – zu bieten, setzt sich Helvetas gemeinsam mit Privatsektorpartnern im Sambiranotal für eine nachhaltige Kakaoproduktion ein. Helvetas verfolgt dabei den Landschaftsansatz: Die Massnahmen setzen daher nicht nur innerhalb der Kakaowertschöpfungskette an, sondern im gesamten Wassereinzugsgebiet, um die Ökosystemleistungen der Region insgesamt zu verbessern. 

Larson Didier Lemena, 36, Kakaobauer, mit Helfern und Kuh, Transport von Kakaoernte über den Sambirano Fluss | © Patrick Rohr
Eine Kuh zieht den Wagen mit der Kakaoernte über den Fluss Sambirano. © Patrick Rohr
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Larson Didier Lemena, 36, Kakaobauer, hat dafür zuerst mit einer Machete die Früchte vom Stamm des Kakaobaums geschlagen.  © Patrick Rohr
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Kakaofrüchte und -bohnen | © Patrick Rohr
Dann wird die weisse Fruchtpulpa aus den Kakaofrüchten herausgelöst und in einem Behälter fermentiert. © Patrick Rohr
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Später werden die nun braun gewordenen Kakaobohnen zum Trocknen ausgelegt. © Patrick Rohr
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Nachhaltige Waldbewirtschaftung 

Um ein koordiniertes Vorgehen zu gewährleisten, wurde ein funktionierendes und institutionell verankertes Governance-Gremium geschaffen: das Comité de Gestion du Bassin Versant du Sambirano (COGEBS). Es bringt die Interessen der verschiedenen Gruppen in Einklang und koordiniert die Massnahmen auf Landschaftsebene.  

In Koordination mit der Zivilbevölkerung, den Privatsektorpartnern, dem Madagascar Nationalpark, und den nationalen Plattformen für Kakao und Vanille werden Schutz- und Landnutzungspläne erstellt und Massnahmen zur Restaurierung der Landschaft geplant. In den identifizierten Aufforstungsflächen werden lokal angepasste Baumsorten angepflanzt, von denen ein Teil für eine nachhaltige Nutzung zugelassen sind. Helvetas unterstützt das COGEBS dabei, dies in enger Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung zu koordinieren und mobilisiert die nötigen finanziellen Ressourcen. 

Lernende werden zu Unterrichtenden 

Kleinbäuer:innen werden in klimaresiliente Anbaumethoden, Agroforstwirtschaft und Einkommensdiversifizierung geschult. Das ermöglicht ihnen ein grösseres Einkommen und einen vielfältigeren Speiseplan. Zudem verbessern die Anbaumethoden die Bodenqualität, binden CO2 und machen Pflanzenkulturen weniger anfällig für den Klimawandel. Nach dem Prinzip «Ausbildende ausbilden» kommt das Schulungsprogramm letztlich mehr als 5’000 Kleinbäuer:innen zugute. 

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Als Folge der Zusammenarbeit mit Helvetas hat Eliane Mary angefangen, ihren Anbau zu diversifizieren. Zwischen den Kakaobäumen wachsen jetzt auch Vanillepflanzen, und auf einem Feld daneben Schwarzaugenbohnen. Das bringt ihr nicht nur zusätzliches Einkommen, sondern bereichert auch den Speiseplan der Familie. © Patrick Rohr
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Hinzu kommt Reis, den Eliane Mary hier von der Hülse trennt. © Patrick Rohr
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Energieeffiziente Kochherde und gesicherte Landrechte 

Um die Nachfrage nach Feuerholz und Holzkohle zu senken, werden Haushalte mit energieffizienten Kochherden versorgt. Damit wird zum Schutz des Waldes beigetragen und schätzungsweise 100’000 t CO2-Emissionen vermieden. 

Viele Kleinbäuer:innen haben ausserdem keine formellen Landrechte, und somit keine Investitionssicherheit oder Zugang zu Krediten. Die Sicherung dieser Landrechte ist für sie jedoch mit hohen Kosten verbunden. Helvetas unterstützt die ländliche Bevölkerung im Einreichen von Sammel-Gesuchen, wodurch die Kosten für einzelne Individuen deutlich gesenkt werden, und berät Gesuchsteller:innen in den legalen Anforderungen im Prozess. Die gewonnenen Landtitel sind für Kleinbäuer:innen ein wichtiger Weg aus der Armut und sie gewährleisten auch das Recht zur Ernte von Baumprodukten – ein wichtiger Anreiz für Investitionen in Agroforstwirtschaft und die Wiederaufforstung.  

 

Partners: Center for development of the University of Bern (CDE), myclimate 

Links: 

Klimawandel und Katastrophenvorsorge

Jedes Jahr unterstützt Helvetas mehr als eine Million Menschen darin, mit dem Klimawandel umzugehen, Ressourcen nachhaltig zu nutzen und die Natur zu schonen.

Wie wir Menschen in Madagaskar unterstützen

Helvetas setzt sich in Madagaskar für die Kleinbauern ein und engagiert sich für bessere Hygiene, sauberes Trinkwasser und den Schutz der Wasserressourcen.