Die Luftqualität in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, ist schlecht. Das hat auch mit den ausrangierten Autos zu tun, die europäische Länder exportieren. Nun will Uganda die Verkehrsemissionen bekämpfen. Andere ostafrikanische Länder wie Äthiopien, Kenia, Tansania und Ruanda setzen ebenfalls auf Elektromobilität. Diese hilft nicht nur Umwelt und Klima, sondern verbessert die öffentliche Gesundheit und fördert das Wirtschaftswachstum.
Jedes zweite Occasion-Auto aus Europa landet irgendwann in Afrika. Viele der gebrauchten PKWs und Kleinbusse kommen am Hafen von Cotonou im westafrikanischen Benin an. Von einem riesigen Parkplatz am Rande der Hafenstadt aus gelangen sie in weite Teile des Kontinents. Auch auf die Strassen ostafrikanischer Städte – von Addis Ababa (Äthiopien) und Nairobi (Kenia) über Dodoma (Tansania) und Kigali (Ruanda) bis Kampala (Uganda) –, wo die vielen farbigen Busse und Motorradtaxis besonders ins Auge stechen.
Während sich die Regierungen vermehrt am Import gebrauchter Autos stören, wächst das Interesse an E-Mobilität gerade stark. Sie ist die perfekte Gelegenheit, wirtschaftliche Chancen mit klimapolitischen Zielen in Einklang zu bringen: Den Ländern bietet sich einerseits die Möglichkeit, einheimische Industrien aufzubauen und «grüne Arbeitsplätze» (green jobs) für die vergleichsweise junge Bevölkerung zu schaffen. Andererseits werden klimaschädliche Treibhausgasemissionen reduziert, und die Luftqualität in urbanen Räumen verbessert sich.
Ostafrika nimmt auf dem Kontinent eine Vorreiterrolle bei der E-Mobilität ein. Da die Menschen im Durchschnitt viel seltener ein eigenes Auto besitzen als in der Schweiz, setzen die Regierungen bei der Förderung von Elektrofahrzeugen vor allem auf geteilte und öffentliche Verkehrsmittel.
Die Vorteile liegen auf der Hand
Die wirtschaftlichen Vorteile der Elektromobilität sind beträchtlich: Während der Import fossiler Treibstoffe teuer ist und das Geld ins Ausland abfliesst, bleibt dank einheimischer Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien die Wertschöpfung im eigenen Land. Die Zahlen sind eindrücklich: Schon heute gewinnt Ruanda mehr als die Hälfte, Kenia 88%, Uganda 97% und Äthiopien sogar 100% der Energie aus erneuerbaren Quellen wie Sonne, Wind, Wasser oder Geothermie. Der Iran-Krieg und die Wirren rund um die Strasse von Hormus werden die energiepolitische Ausrichtung der Länder in Richtung saubere Energieformen zusätzlich beschleunigen.
In Äthiopien, Kenia, Tansania, Ruanda und Uganda sind bereits rund 150’000 Elektrofahrzeuge, überwiegend Motorräder, im Einsatz. Äthiopien, Ruanda und Uganda haben bereits umfassende Gesetze und Verordnungen zur Elektromobilität verabschiedet, während Kenia und Tansania entsprechende Strategien gerade auf den Weg bringen. Vier der fünf Länder sind Mitglieder der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC), die eine wichtige Rolle beim Abbau von Handelshemmnissen und der Förderung regionaler Wertschöpfungsketten spielt.
Herausfordernder Weg bis zum Durchbruch
Der Kontinent hat fast alle Mittel zur Hand, um den Weg der E-Mobilität erfolgreich zu gehen. Um die nationalen und regionalen Industrien für E-Autos zu stärken, müssten die Länder kritische Rohstoffe sichern und selber verarbeiten, wofür es gezielte Investitionen in die lokale Wertschöpfung und internationale Partnerschaften zum Knowhow-Austausch braucht.
Gleichzeitig müssen Regierungen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor schrittweise verbieten, was regulatorisch etwa über strengere Emissionsstandards und die Einführung von Niedrigemissionszonen funktionieren kann. So setzen Kenia, Ruanda und Uganda auf steuerliche Anreize, während Äthiopien mit einem vollständigen Importverbot für Verbrenner eine besonders ambitionierte Strategie verfolgt.
Während viele Länder bei der Telekommunikation ausserhalb von Ballungszentren den Schritt der Festanschlüsse übersprungen haben, muss für eine erfolgreiche E-Mobilität die Ladeinfrastruktur auf den wichtigsten Verkehrsachsen ausgebaut werden – wohlwissend, dass ein flächendeckender Ausbau kaum realisier- und finanzierbar ist. Allerdings braucht es dafür keine physisch verbundenen Netze, da dezentrale Infrastrukturen heute möglich sind. Nationale Strategien beinhalten vielversprechende Ansätze, darunter Vorgaben für Ladeinfrastruktur (in Äthiopien), die Bereitstellung kostenfreier Ladepunkte (Ruanda) sowie technische Standards zur Interoperabilität über verschiedene Regionen hinaus (Kenia).
Schliesslich muss in die Kreislaufwirtschaft für Batterien und Fahrzeugkomponenten investiert werden. Einzelne Länder haben erste Massnahmen eingeleitet – etwa klare Richtlinien bei Recycling und Verschrottung in Uganda oder einheitliche Standards bei Batterien in Kenia. Solche Initiativen gilt es künftig in einen überregionalen und länderübergreifenden Rahmen zu überführen, im Einklang etwa mit dem Continental Circular Economy Action Plan (2024–2034).
Koordination als Schlüssel für den Erfolg
Letzten Endes wird der gesamte weitere Ausbau von E-Mobilität davon abhängen, nationale Strategien in einen regional koordinierten und kontinental abgestimmten Politikrahmen einzubetten. Kein einzelnes Land verfügt über sämtliche notwendige Ressourcen – sei es bei kritischen Rohstoffen, industrieller Infrastruktur, technologischen Kapazitäten und technischer Expertise –, um eine vollständige Wertschöpfungskette für Elektrofahrzeuge eigenständig aufzubauen. Die einzelnen Länder sollten sich daher entsprechend ihrer Möglichkeiten und Stärken entlang zentraler Segmente wie Rohstoffgewinnung, Batterieproduktion, Fahrzeugmontage und Recycling spezialisieren – und kooperieren.
Lohnend ist eine gemeinsame politische Vision, die über nationale Grenzen ausstrahlt: Aufbauend auf bestehenden kontinentalen Initiativen – etwa der afrikanischen Wasserstoffstrategie – könnte ein vergleichbarer Rahmen für Elektromobilität entwickelt werden. Dies könnte der im Jahr 2021 ins Leben gerufenen Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone (AfCFTA) neuen Schub verleihen und Afrikas industrie- und klimapolitische Ziele tatsächlich voranbringen. So bietet sich dem Kontinent mit dem Ausbau der E-Mobilität eine strategische Chance, um Afrika nicht nur als Anwender von Elektromobilitätstechnologien zu positionieren, sondern als aktiven Akteur in der globalen Wertschöpfungskette der E-Mobilität.
