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Haiti

Latrinenbauer als Hygienebotschafter

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Aufklärung, die vor den Gefahren mangelnder Hygiene warnt. Ausgebildete Latrinenbauer, die Promotion in eigener Sache machen. So will Helvetas die Menschen dazu bringen, Geld in den Bau einer Latrine zu stecken.

  • Projektname
    MECAH — Latrinenbau & Hygienewissen
  • Projektphase
    2018 bis 2020
  • Finanzierung
    Dieses Projekt wird durch Spenden finanziert.
  • Thematischer Schwerpunkt
    Wasser
    Gender und soziale Gerechtigkeit
    Engagement im urbanen Bereich

Das Geschäft mit dem Geschäft

Bloss 58 Prozent der haitianischen Bevölkerung haben Zugang zu sauberem Trinkwasser, und nur 28 Prozent zu einer Latrine, weit weniger als in allen umliegenden Ländern. So verwundert es nicht, dass die Cholera seit der Epidemie von 2010, dem Jahr des grossen Erdbebens, nicht mehr ausgerottet werden konnte. Die schlechten Kennzahlen widerspiegeln nicht nur das Desinteresse der Behörden für den Wassersektor. Sie sind auch Folge des so genannten Assistenzialismus, der gedankenlosen Abgabe von Hilfsgütern und der Passivität, die dadurch in der Bevölkerung entstanden ist, in der Hoffnung darauf, dass irgendwann ein Hilfswerk auftaucht und die dringend nötigen Installationen finanziert. Aus diesem Grund hat die Regierung 2012 die Subvention von Latrinen verboten.

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Helvetas hat im Projekt MECAH (eine Abkürzung für «Markt für Latrinen, Kommunikation für Hygiene») auf dieses Verbot reagiert. Die Initiative stützt sich auf lokale Maurer, die zusätzlich zu ihren anderen Fertigkeiten auch lernen, einfache, kostengünstige und effiziente Latrinen herzustellen. Sie haben ein ganz direktes, materielles Interesse daran, möglichst viele Latrinen zu verkaufen. Damit sie ihren potentiellen Kunden aufzeigen zu können, warum es eine Latrine braucht, erhalten sie Schulungen in Hygiene- und Gesundheitsfragen. Ein Zertifikat verleiht ihren Ausführungen zusätzliches Gewicht.

Parallel dazu werden die Familien auf verschiedenen Kanälen für Fragen der Hygiene sensibilisiert.  Zum einen bildet Helvetas Gesundheitspromotorinnen aus, zwei Drittel davon junge Frauen. Sie gehen bei den Familien vorbei und machen sie unter anderem auch auf die Gefahren aufmerksam, die davon ausgehen, wenn alle ihr Geschäft im Freien verrichten.  Zum anderen initiiert Helvetas Hygienesendungen im lokalen Radio und Kampagnen auf sozialen Netzwerken, die ebenfalls die Nachfrage nach Latrinen stärken.

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© Helvetas / Flurina Rothenberger
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Das Projekt ist ein Versuch, den Bau von Latrinen nicht mit Subventionen, sondern mit umsatzorientierten Handwerkern zu fördern. Um die Mechanismen in staatlichen Strukturen zu verankern, bezieht Helvetas die Vertreter lokaler und nationaler Behörden mit ein. So arbeitet Helvetas zum Beispiel an einem landesweit anerkannten Weiterbildungskurs zum Latrinenbauer. Zahlreiche NGOs, die in Haiti tätig sind, interessieren sich für die Erfahrungen, die Helvetas mit dem neuen Ansatz macht.

Wasser

Den Ärmsten steht oft nur verunreinigtes Wasser zur Verfügung. Wir verschaffen jährlich bis zu 500’000 Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen.