© WAM/ Rashed Al Mansoori / UAE Presidential Court

Ein freundlicher Grossinvestor für Afrika?

Die Vereinigten Arabischen Emirate als neuer Player auf dem «Zukunftskontinent»
VON: Patrik Berlinger - 28. August 2025
© WAM/ Rashed Al Mansoori / UAE Presidential Court

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind berüchtigt für ihre Null-Toleranz-Politik gegenüber jeglicher Kritik. Nun mausern sie sich zum führenden Investor in Afrika. Für viele Staaten bietet der willkommene Kapitalstrom durchaus Entwicklungschancen. Voraussetzung ist aber, dass es gelingt, den wirtschaftlichen Fortschritt partnerschaftlich, umweltverträglich und menschenrechtsbasiert zu gestalten. 

Ähnlich wie Saudi-Arabien, Kuwait oder Katar, leisten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) auf dem afrikanischen Kontinent seit vielen Jahrzehnten Entwicklungs- und Nothilfe. Vermehrt verstärken sie ihren entwicklungspolitischen Einfluss mit privaten Investitionen. Damit bauen die VAE, bekannt durch ihre Metropolen Abu Dhabi, Dubai und Schardscha, ihren wirtschaftlichen und politischen Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent rasant aus. So am Horn von Afrika, in West- und auch in Nordafrika. Allein zwischen 2019 und 2023 investierten sie über 110 Milliarden US-Dollar – mehr als jeder andere ausländische Partner, sogar mehr als China. Das Engagement erstreckt sich von Energieversorgung über Bergbau und Landwirtschaft bis zu Häfen und Logistik.

Grüne Energie als Türöffner

Einen Schwerpunkt setzen die Emirate im Bereich erneuerbare Energien. Über ihr Vorzeige-Energieunternehmen Masdar finanzieren sie im Rahmen des Etihad 7-Programms Projekte, die bis 2035 insgesamt 100 Millionen Afrikaner:innen mit Strom versorgen sollen – mit Solar-, Wind- und Wasserkraft in Angola, in Uganda und in Sambia. Wunsch und Wirklichkeit decken sich dabei allerdings nicht immer. So kommt z.B. das 2-Milliarden schwere Projekt für Solarenergie in Sambia weniger rasch voran als geplant.

Anders in Togo: Erfolgreich errichte Amea Power, ein weiteres Grossunternehmen der VAE, das 50-MW-Blitta-Solarkraftwerk. Es versorgt seit 2021 über eine halbe Million Haushalte und 700 kleine und mittlere Betriebe mit Strom. Währenddessen entsteht in Südafrika das Doornhoek-Solarkraftwerk, das 2026 ans Netz gehen soll. Schon bald wird das über Beteiligungen und Kredite finanzierte Projekt etwa 97’000 Haushalte mit sauberem Strom versorgen und 330’000 Tonnen CO2-Emissionen ausgleichen.

Aufkauf kritischer Rohstoffe

Mit den Investitionen in grüne Energie rücken strategische Mineralien in den Fokus: In Sambia beispielsweise erwarben die VAE über die International Resources Holding für 1,1 Milliarden US-Dollar einen Mehrheitsanteil an den Mopani-Kupferminen, die vormals dem in der Schweiz ansässigen Rohstoffunternehmen Glencore gehörten. Ziel sei es, die Produktion zu steigern sowie lokale Arbeitsplätze zu sichern. In erster Linie geht es den VAE aber wohl um den schnellen Zugang zu kritischen Rohstoffen, wobei Menschenrechts- und Umweltbelange weiterhin zweitrangig bleiben dürften.

In derselben Absicht, zu Rohstoffen zu gelangen, wurden mit der Demokratischen Republik Kongo Joint Ventures zum Abbau von Tantal, Zinn und Wolfram geschlossen – vermeintlich konfliktfreie Rohstoffe, die für die grüne Wirtschaft weltweit unverzichtbar sind. Die Investitionen sollen den Emiraten langfristige, stabile und wertvolle Lieferketten sichern. Ungelöst bleibt, dass die meisten Menschen im Kongo nichts von diesem Reichtum haben, während das Land zu den fünf ärmsten Nationen der Welt zählt. Weshalb? Weil vom Abbau lediglich die Regierung, bewaffnete Gruppen sowie ausländische Investoren profitieren. 

Häfen und Handelsrouten

Neben nachhaltiger Energieinfrastruktur interessieren sich die VAE auch für Afrikas Häfen. Diese sind dabei nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern ebenso ein strategischer Hebel. Dubai Ports World, das von der staatlichen Investmentgruppe Dubai World kontrollierte und drittgrösste Hafenunternehmen der Welt, betreibt Häfen oder hält mittlerweile namhafte Beteiligungen an Infrastrukturen in Angola, Ägypten, Senegal und Somalia. In Angolas Hauptstadt Luanda modernisierte Abu Dhabi Ports z.B. für 250 Millionen US-Dollar die Hafenlogistik.

Ein von Abu Dhabi gefördertes Prestigeprojekt ist der geplante Hafen Abu Amama im Sudan – samt einer Sonderwirtschaftszone am Roten Meer. Das 6-Milliarden-Dollar-Projekt soll die Position der VAE an einer der wichtigsten maritimen Handelsrouten der Welt festigen. Tatsächlich können mit dem inner-afrikanischen Freihandelsabkommen seit diesem Jahr Häfen wie Abu Amama dazu beitragen, afrikanische Komponenten und Produkte in die Lieferketten des Nahen Ostens und Asiens zu integrieren.

Während die Emirate Schmuck und Elektronikgeräte in den Sudan verschiffen, sind sie selbst vor allem an Nahrungsmitteln und Agrargütern interessiert. In der langfristigen Strategie zur Ernährungssicherung der Emirate spielen Afrikas Böden nämlich eine Schlüsselrolle. Weil der Nahrungsmittelkonsum in der VAE hoch ist, eigenes Ackerland hingegen rar, und sie daher auf Importe angewiesen sind, investieren die Emirate in Land und Agrarbetriebe in Ländern wie Äthiopien, Kenia und Sudan. Ausgerechnet der Sudan, der bekanntlich selbst seit Jahren unter einer verheerenden Nahrungsmittel-Knappheit leidet.

Machtpolitik mit globalem Anspruch

Die Investitionen sind allesamt Teil einer gezielten Neuorientierung der Aussenpolitik der Emirate. Einst stark von Erdöl-Exporten abhängig, setzen sie heute ihre Staatsfonds ein, um neue Märkte zu erschliessen und an politischem Einfluss zu gewinnen. Die Investitionen in Infrastruktur dienen der Sicherung von Lieferketten, Bodenschätzen und grüner Energie. Aber auch der Erweiterung der «Soft Power» im Globalen Süden und dem Aufbau neuer Allianzen jenseits westlicher Einflusszonen.

Dazu passt das gestiegene Interesse der Emirate als Austragungsort internationaler Verhandlungen und Konferenzen wie z.B. der UN-Klimakonferenz COP28 in Dubai im Jahr 2023. Ungeachtet der Tatsache, dass die fossile Brennstoffindustrie nach wie vor ein gigantischer Treiber der globalen Klimakrise und der regionalen Luftverschmutzung bleibt, positionierte sich das Austragungsland auf dem Klimagipfel unverblümt als weltweiter Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Weniger gut gelang es den Emiraten, ihren verachtenden Umgang mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Menschenrechtsverteidiger:innen zu kaschieren.

Alles in allem ist es also wenig verwunderlich, dass längst nicht alle den neuen Player in Afrika positiv beurteilen. So warnen politische Analyst:innen und Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen vor Repression gegen die Zivilgesellschaft und Verletzung von Arbeitsrechten und Umweltstandards. Zwar bringen die Investitionen in Afrika Infrastruktur und Wirtschaftswachstum. Doch ohne die Einhaltung der Menschenrechte und ohne klare Transparenz und Verantwortung der involvierten Unternehmen könnten sie in den afrikanischen Ländern auch die lokale Zivilgesellschaft schwächen, Korruption und intransparente Regierungen begünstigen sowie den unregulierten Rohstoffsektor und Goldabbau befördern.

Dringend nötig sind Investitionen in die Zukunft, angesichts des brachliegenden Potenzials der jungen Menschen auf dem «Zukunftskontinent», wo das Medianalter unter 20 Jahren liegt. Mit ergänzender Bildung – beispielsweise in grüner Technologie und innovativen Industrien oder in ökologischer Landwirtschaft und nachhaltigen Ernährungssystemen – liesse sich viel gewinnen. Das aber braucht Zeit und Engagement. An beidem mangelt es, wenn der Return on Investment der Massstab ist.

Patrik Berlinger | © Maurice K. Gruenig
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