Alle paar Jahre tritt im Pazifik das Klimaphänomen El Niño auf. Dieses Jahr erreicht es Höchstwerte und wird als Super-El-Niño bezeichnet. Das Phänomen beeinflusst Wettermuster und die Lebensbedingungen von Millionen von Menschen, die sowieso schon von Armut betroffen sind und die Folgen des Klimawandels besonders stark erleben. Helvetas hilft Familien und Gemeinschaften, sich frühzeitig auf die Auswirkungen dieses Super-El-Niños vorzubereiten.
In einem El-Niño-Jahr schwächen sich die Passatwinde, die von Osten nach Westen wehen, über dem Pazifik ab. Das hat zur Folge, dass das Wasser des pazifischen Ozeans entlang der Westküste Südamerikas viel wärmer ist als üblich. Und das wiederum beeinflusst weltweit, wo es regnet – oder nicht. In Lateinamerika, wo es in den Monaten vor und nach Weihnachten herum trocken sein sollte, gibt es in einem El-Niño-Jahr plötzlich starke Regenfälle und Überschwemmungen. In Asien, Australien und dem südlichen Afrika, wo es eigentlich regnen sollte, herrschen plötzlich Hitze, Dürre und Waldbrände.
Derzeit sind die Wassertemperaturen im Pazifik ausserordentlich hoch. Deshalb erwartet die Wissenschaft für Ende 2026 und das erste Halbjahr 2027 ein besonders starkes El-Niño-Ereignis, vielleicht das stärkste seit Beginn der modernen Messung vor 75 Jahren.
Da sich das ungewöhnlich warme Wasser über ein besonders grosses Gebiet ausbreitet, beeinflusst El Niño das weltweite Wetter noch stärker als sonst. Deshalb sprechen viele Fachleute und Medien von einem Super-El-Niño.
El Niño heisst auf Spanisch «das Christkind» oder «der kleine Junge», weil peruanische Fischer die ungewöhnlich warmen Meeresströmungen oft um die Weihnachtszeit herum bemerkten. Das Klimaphänomen ist natürlich und tritt normalerweise alle zwei bis sieben Jahre gegen Jahresende im pazifischen Ozean auf, zuletzt um den Jahreswechsel 2023/2024.
Reagieren, bevor das Schlimmste passiert
Der Klimawandel verstärkt El-Niño-Folgen, das gefährdet die Existenzgrundlage von Millionen von Menschen. Weil Nahrungsmittel noch knapper werden könnten. Weil sie keinen Zugang zu (sauberem) Wasser haben. Weil das Risiko von Krankheiten steigt.
Immerhin: El Niño wird engmaschig von Wetterdiensten und Wissenschaftler:innen beobachtet, die die Prognosen regelmässig aktualisieren. Damit lassen sich mögliche Auswirkungen des Klimaphänomens gut abschätzen – und die betroffenen Staaten und Bevölkerungsgruppen können dank guten Prognosen und Frühwarnsysteme handeln, bevor die Krise voll eintritt.
Wetterprognosen und Frühwarnsysteme helfen, lokale Behörden, Bäuerinnen, Viehhirten und die Bevölkerung zu informieren. Damit können die Haushalte, unterstützt von Regierungen und Hilfsorganisationen, frühzeitig griffige Massnahmen treffen. So können Familien zum Beispiel rechtzeitig ihre Wasserversorgung sichern, Saatgut und Futtervorräte bereitstellen, ihre Ernten besser schützen und im Notfall auf finanzielle Unterstützung zurückgreifen.
El Niño wird nicht vom Klimawandel verursacht, aber der Klimawandel verstärkt die Folgen von El Niño. Während Durchschnittstemperaturen durch den Klimawandel steigen, gefährden die Dürren, Starkregen oder Hitzewellen, die wegen El Niño hinzukommen, Menschen zusätzlich, die sowie so schon unter schwierigen Bedingungen leben.
Wie Helvetas hilft
Die Auswirkungen von El Niño treffen voraussichtlich mehrere Helvetas-Partnerländer besonders hart. Deshalb unterstützen wir gefährdete Familien und Gemeinden – aktuell in Äthiopien, Guatemala, Haiti, Honduras und Pakistan – dabei, sich frühzeitig auf diese Wetterextreme vorzubereiten. Denn frühzeitiges Handeln stärkt die Widerstandsfähigkeit der Menschen und kann Schäden und Not deutlich verringern.
Bei drohender Dürre wird Wasser zur wichtigsten Ressource. Zusammen mit Helvetas setzen Gemeinden Wasseranlagen instand, schützen ihre Quellen und schaffen zusätzliche Wasserspeicher. Familien sammeln Regenwasser und bereiten Trinkwasser auf, damit genügend sauberes Wasser zur Verfügung steht.
Kleinbäuerinnen und -bauern passen die Aussaat- und Erntezeit den veränderten klimatischen Bedingungen an. Sie erhalten dürreresistentes Saatgut, damit ihre Felder auch mit weniger Regen Erträge liefern und Ernteausfälle vermeiden können. Futtervorräte und tierärztliche Unterstützung helfen, Nutztiere gesund durch Trockenzeiten zu bringen und wichtige Existenzgrundlagen zu erhalten.
Darüber hinaus stärkt Helvetas lokale Frühwarn- und Krisenstrukturen, damit die Hilfe rechtzeitig und gezielt ankommt.
Die Aktivitäten bauen auf bestehenden Partnerschaften mit lokalen Organisationen und Behörden sowie Gemeindestrukturen auf und stärken die Menschen, auch künftige Klimaextreme eigenständig zu bewältigen.
Gefahren (Helvetas)
- Zyklone
- Fluten
- Erdrutsche
- Dürre
- Starkregen
Länder
- Helvetas-Partnerländer
- Meistbetroffene Partnerländer
Typische Folgen von El Niño (IRI)
- Heftige Regenfälle
- Trockenheit
Länderübersicht
13 Länder: Gefahren und typische El-Niño-Folgen
| Land | Gefahren laut Helvetas | Typische El-Niño-Folgen laut IRI-Karte |
|---|---|---|
| Guatemala | Dürre | Trockenheit Jun – Okt und Jul – Dez |
| Honduras | Dürre | Trockenheit Jul – Dez |
| Haiti | Dürre | keine typische Zone in der IRI-Karte |
| Peru | StarkregenFluten | Heftige Regenfälle Jan – Mär, an der NordküsteTrockenheit Dez – Apr, im Süden |
| Bolivien | DürreFluten | Trockenheit Dez – Apr, im WestenHeftige Regenfälle Apr – Okt |
| Äthiopien | DürreFluten | Trockenheit Jul – Sep, im NordenHeftige Regenfälle Sep – Jan, im Süden |
| Mosambik | Dürre | Trockenheit Nov – Mär |
| Madagaskar | Dürre | Trockenheit Nov – Mär, im Westen |
| Pakistan | DürreFluten | Heftige Regenfälle Jan – Apr, im WestenTrockenheit Jun – Sep, im Osten |
| Nepal | FlutenErdrutsche | Trockenheit Jun – Sep |
| Bangladesch | ZykloneFluten | Trockenheit Jun – Sep |
| Laos | Dürre | Trockenheit Feb – JunHeftige Regenfälle Nov – Feb, im Norden |
| Vietnam | Dürre | Trockenheit Feb – JunHeftige Regenfälle Nov – Feb, im Norden |
