© Patrick Rohr / Helvetas

Die Rohingya in Bangladesch – das weltweit grösste Flüchtlingslager

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Ja, ich helfe mit!

In den Notlagern in Bangladesch fehlt es an sauberem Trinkwasser, sanitären Anlagen und Essen. Helvetas baut Latrinen und Küchen. Sie schützen vor Krankheiten und Hunger.
Jede Spende hilft.

Helvetas ist seit rund 20 Jahren in Bangladesch tätig. Seit 2017 Hunderttausende Rohingya aus dem benachbarten Myanmar nach Bangladesch geflüchtet sind, leistet die Schweizer NGO vor Ort auch Nothilfe. Besonders bedroht sind die rund eine Million Flüchtlinge derzeit von den starken Monsunregenfällen, durch die ganze Hüttenreihen abrutschen. Gleichzeitig läuft der Kampf gegen Corona.

Jetzt ist es wichtig, Präventionsarbeit zu leisten, die Menschen vor der Übertragung des Virus zu schützen und ihnen mithilfe von mittel- und langfristigen Projekten wieder ein Stück Normalität zu ermöglichen. So fördert Helvetas zum Beispiel den Anbau von Gemüse auf und neben den einfachen Hütten, so dass sich die Flüchtlingsfamilien, die oft unter Fehl- oder Mangelernährung leiden, besser ernähren können, was auch ihr Immunsystem stärkt.

Mehr als 730'000 Frauen, Kinder und Männer sind seit August 2017 vor der gegen sie gerichteten Gewalt in Myanmar nach Bangladesch geflohen. Mit knapp einer Million Rohingya-Flüchtlingen ist das Flüchtlingslager in der Region Cox's Bazar heute das grösste der Welt. Helvetas setzt sich seit Beginn der Krise aktiv für die Flüchtlinge ein und hilft, ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

Biogas für Küchen

In der ersten akuten Nothilfephase verteilte Helvetas Hygiene-Kits. Seitdem engagiert Helvetas sich zusammen mit lokalen und internationalen Partnern in vielen Bereichen wie beispielsweise der Sanitärversorgung und hat unter anderem 320 Latrinen errichtet, die heute von rund 10'000 Personen genutzt werden. Dank einer einfachen Umwandlungsanlage liefern die Latrinen Biogas, das in erster Linie die Gemeinschaftsküchen mit Energie versorgt.

Kampf gegen Corona

Not und Perspektivenlosigkeit haben durch die Corona-Pandemie weiter zugenommen. In einfachsten Hütten lebend, dicht auf dicht, mit wenigen Wasserzapfstellen und sanitären Anlagen ist es kaum möglich, Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Auch die medizinische Versorgung ist nicht ideal, Isolation und Quarantäne sind kaum möglich. Helvetas unterstützt rund 160‘000 Rohingya und Einheimische, die in den Dörfern neben den Camps leben, im Kampf gegen Corona durch:

  • Information, Aufklärung und Prävention: Damit die Menschen in ihrer Sprache informiert werden und keine Ansteckungsgefahr durch Ausstehende entsteht, hat Helvetas freiwillige Rohingya-Mitarbeitende geschult, die die Bevölkerung über die Krankheit, deren Ursache, Symptome und Übertragungswege sowie Präventionsmassnahmen aufklären. Sie verteilen Faltblätter mit einfach verständlichen Verhaltensregeln.
  • Verteilung von Hygiene-Nothilfe-Artikeln: Helvetas verteilt via freiwillige Rohingya-Mitarbeitende Gutscheine für Hygienesets, bestehend aus dem Nötigsten: ein 20-Liter-Eimer, ein 1,5-Liter-Gefäss zur Wasserentnahme, Seife mit Seifenschale, Desinfektionsmittel sowie Pulver zur Herstellung einer Desinfektionslösung. Die Flüchtlinge können das Material an Bezugsstellen abholen, wo sie auch Nahrungsmittel erhalten.
  • Verteilung von Saatgut und finanzielle Nothilfe: Besonders bedürftige Familien hat Helvetas mit Saatgut und finanzieller Hilfe unterstützt.
  • Verbesserung der Sanitäranlagen: Von Anfang an hat Helvetas zur Verbesserung der Hygiene- und Sanitärversorgung beigetragen und geholfen, Latrinen zu bauen. Nun wird dafür gesorgt, dass Gesundheitsposten im Lager über Handwaschstationen, Seife und Desinfektionsmittel verfügen und dass stark frequentierte Orte Handwaschstationen haben.

 

Was bedeutet Corona für die Menschen im Rohingya-Flüchtlingslager? Live-Talk mit Journalist Patrick Rohr und Barbara Dietrich, Helvetas-Programmverantwortliche für Bangladesch vom 14.5.2020:

Vorbereitung auf die Monsunzeit

Das Projekt von Helvetas, das von der unabhängigen Stiftung Glückskette unterstützt wird, trägt sowohl zur Verbesserung des Gesundheitszustands der Flüchtlinge als auch zum Schutz der Umwelt bei, da sich die Familien nicht mehr auf die Suche nach Holz machen müssen, das mit der Zeit immer knapper wurde. Ausserdem verhindern die sanitären Anlagen in Verbindung mit Hygienekursen, dass das Trinkwasser durch Fäkalien verseucht wird und sich Krankheiten wie Cholera ausbreiten.

Helvetas ist im Auftrag des UNHCR für die Verwaltung von drei Lagern mit insgesamt 100'000 Flüchtlingen zuständig. Ziel ist es, die Übermittlung von Informationen zwischen den Gemeinschaften und den verschiedenen in den Lagern vertretenen Organisationen zu verbessern, um die optimale Wirkung der Hilfsmassnahmen zu gewährleisten. Im Bereich Infrastrukturen kümmert Helvetas sich um die Vorbereitung auf die Monsunzeit und die Instandhaltung. So wurden Flüchtlinge, die in besonders stark gefährdeten Gebieten lebten, dabei unterstützt, an einen sichereren Ort umzusiedeln.

Sicherheit von Frauen und Kindern

Helvetas setzt sich auch für die Sicherheit der Frauen und Kindern ein. So wurden Ausschüsse für Frauen, Jugendliche und religiöse Anführer gegründet, um einen verbesserten Informationsfluss zwischen den Gemeinschaften und den humanitären Organisationen vor Ort sicherzustellen. Ihre Aufgabe ist es, wichtige Nachrichten von anderen Frauen, die in ihrem Gebiet leben, zu übermitteln.

In Versammlungen reden die Frauen über Probleme wie häusliche Gewalt oder Schwierigkeiten in Verbindung mit ihrer Monatsblutung, wo zum Beispiel sie ihre Binden – angesichts der Enge in ihren Unterkünften – diskret trocknen können. «Die Teilnehmerinnen haben hier die Gelegenheit, Neues zu lernen und sich über Themen zu informieren, über die sie vielleicht noch nie gesprochen haben oder nichts wissen. In einem dieser Workshops haben sich die Teilnehmerinnen mit ihrem Monatszyklus beschäftigt. Sie hatten keine Ahnung von dem biologischen Prozess, waren aber sehr lern- und wissbegierig», erklärt Mostafa, der Verantwortliche für die Schutzmassnahmen vor Ort, der auch die Freiwilligen ausbildet.

Rohingya | © Helvetas
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Unterstützung von Gemüseanbau

Mit der Unterstützung der Glückskette unterstützt Helvetas Flüchtlingsfamilien dabei, ihr eigenes Gemüse anzubauen, beispielsweise hochwachsende Sorten wie Bohnen und Kürbisse auf den Dächern der Unterkünfte. Die Nahrungsmittelversorgung der Flüchtlinge wird dadurch verbessert. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zur Verringerung ihrer Abhängigkeit von humanitärer Hilfe. Das Projekt bezieht auch einheimische Familien mit ein, die die Flüchtlinge mit offenen Armen aufgenommen haben, denn es ist wichtig, Konflikten vorzubeugen.

Da das Lager sehr schnell und unkontrolliert gewachsen ist, ist grundlegende Arbeit erforderlich: Im Auftrag von UNICEF kümmert Helvetas sich um die Kartierung und das «Mapping» der Lager. Beispielsweise ist es notwendig, den Bildungsbedarf der Rohingyas zu ermitteln.

Kinder holen Wasser im Camp in Cox’s Bazar. | © Barbara Dietrich / Helvetas
Kinder holen Wasser im Camp in Cox’s Bazar. © Barbara Dietrich / Helvetas

Helvetas wird sich weiter dafür einsetzen, die Schwächsten vor Gefahren insbesondere durch Menschenhandel, sexuelle Gewalt und schlechte Hygiene zu schützen. Die Frauenausschüsse haben die Diskussionsthemen für ihre Workshops 2019 bereits ausgewählt, darunter gewaltfreie Kommunikation, Menschenrechte und Ernährung.

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