© Patrick Rohr / Helvetas

Die Rohingya-Flüchtlingskrise in Bangladesch

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Ja, ich helfe mit!

In den Notlagern in Bangladesch fehlt es an sauberem Trinkwasser, sanitären Anlagen und Essen. Helvetas plant und baut Latrinen und Küchen. Sie schützen vor Krankheiten und Hunger.
Jede Spende hilft.

Helvetas ist seit 19 Jahren in Bangladesch tätig und leistet seit Herbst 2017 Nothilfe für die Rohingya-Flüchtlinge. In letzter Zeit hat sich die Situation ein wenig stabilisiert. Jetzt ist es wichtig, den Flüchtlingen, die ihre Gärten, Felder, Schulen und Märkte verloren haben, mithilfe von mittel- und langfristigen Projekten wieder ein Stück Normalität zu ermöglichen.

Mehr als 730'000 Frauen, Kinder und Männer sind seit August 2017 vor der gegen sie gerichteten Gewalt in Myanmar nach Bangladesch geflohen. Mit knapp einer Million Rohingya-Flüchtlingen ist das Flüchtlingslager in der Region Cox's Bazar heute das grösste der Welt. Helvetas setzt sich seit Beginn der Krise aktiv für die Flüchtlinge ein und hilft, ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

Biogas für Küchen

In der ersten akuten Nothilfephase verteilte Helvetas Hygiene-Kits. Seitdem engagiert Helvetas sich zusammen mit lokalen und internationalen Partnern in vielen Bereichen wie beispielsweise der Sanitärversorgung und hat unter anderem 320 Latrinen errichtet, die heute von rund 10'000 Personen genutzt werden. Dank einer einfachen Umwandlungsanlage liefern die Latrinen Biogas, das in erster Linie die Gemeinschaftsküchen mit Energie versorgt.

«Dies ist eine wichtige Veränderung. Seit Helvetas diese Küche gebaut hat, brauchen wir uns keine Sorgen mehr zu machen, ob wir Holz zum Kochen finden», erklärt Nasrin (Name geändert). «Früher mussten wir acht bis zehn Kilometer weit laufen, um in den Hügeln nach Holz zu suchen, oder es eben kaufen. Von dem Geld, das wir nun sparen, können wir Gemüse und Kartoffeln kaufen.»

Vorbereitung auf die Monsunzeit

Das Projekt von Helvetas, das von der unabhängigen Stiftung Glückskette unterstützt wird, trägt sowohl zur Verbesserung des Gesundheitszustands der Flüchtlinge als auch zum Schutz der Umwelt bei, da sich die Familien nicht mehr auf die Suche nach Holz machen müssen, das mit der Zeit immer knapper wurde. Ausserdem verhindern die sanitären Anlagen in Verbindung mit Hygienekursen, dass das Trinkwasser durch Fäkalien verseucht wird und sich Krankheiten wie Cholera ausbreiten.

Helvetas ist im Auftrag des UNHCR für die Verwaltung von drei Lagern mit insgesamt 100'000 Flüchtlingen zuständig. Ziel ist es, die Übermittlung von Informationen zwischen den Gemeinschaften und den verschiedenen in den Lagern vertretenen Organisationen zu verbessern, um die optimale Wirkung der Hilfsmassnahmen zu gewährleisten. Im Bereich Infrastrukturen kümmert Helvetas sich um die Vorbereitung auf die Monsunzeit und die Instandhaltung. So wurden 1300 Flüchtlinge, die in besonders stark gefährdeten Gebieten lebten, dabei unterstützt, an einen sichereren Ort umzusiedeln.

Sicherheit von Frauen und Kindern

Helvetas setzt sich auch für die Sicherheit der Frauen und Kindern ein. So wurden Ausschüsse für Frauen, Jugendliche und religiöse Anführer gegründet, um einen verbesserten Informationsfluss zwischen den Gemeinschaften und den humanitären Organisationen vor Ort sicherzustellen. Ihre Aufgabe ist es, wichtige Nachrichten von anderen Frauen, die in ihrem Gebiet leben, zu übermitteln.

In Versammlungen reden die Frauen über Probleme wie häusliche Gewalt oder Schwierigkeiten in Verbindung mit ihrer Monatsblutung, wo zum Beispiel sie ihre Binden – angesichts der Enge in ihren Unterkünften – diskret trocknen können. «Die Teilnehmerinnen haben hier die Gelegenheit, Neues zu lernen und sich über Themen zu informieren, über die sie vielleicht noch nie gesprochen haben oder nichts wissen. In einem dieser Workshops haben sich die Teilnehmerinnen mit ihrem Monatszyklus beschäftigt. Sie hatten keine Ahnung von dem biologischen Prozess, waren aber sehr lern- und wissbegierig», erklärt Mostafa, der Verantwortliche für die Schutzmassnahmen vor Ort, der auch die Freiwilligen ausbildet.

Rohingya | © Helvetas
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Die nächsten Schritte

Mit der Unterstützung der Glückskette prüft Helvetas die Möglichkeiten für Flüchtlingsfamilien, ihr eigenes Gemüse anzubauen, beispielsweise hochwachsende Sorten wie Bohnen und Kürbisse auf den Dächern der Unterkünfte. Die Nahrungsmittelversorgung der Flüchtlinge würde dadurch verbessert und es wäre ein Schritt hin zur Verringerung ihrer Abhängigkeit von humanitärer Hilfe. Das Projekt bezieht auch einheimische Familien mit ein, die die Flüchtlinge mit offenen Armen aufgenommen haben, denn es ist wichtig, Konflikten vorzubeugen.

Da das Lager sehr schnell und unkontrolliert gewachsen ist, ist grundlegende Arbeit erforderlich: Im Auftrag von UNICEF kümmert Helvetas sich um die Kartierung und das «Mapping» der Lager. Beispielsweise ist es notwendig, den Bildungsbedarf der Rohingyas zu ermitteln.

Kinder holen Wasser im Camp in Cox’s Bazar. | © Barbara Dietrich / Helvetas
Kinder holen Wasser im Camp in Cox’s Bazar. © Barbara Dietrich / Helvetas

Helvetas wird sich weiter dafür einsetzen, die Schwächsten vor Gefahren insbesondere durch Menschenhandel, sexuelle Gewalt und schlechte Hygiene zu schützen. Die Frauenausschüsse haben die Diskussionsthemen für ihre Workshops 2019 bereits ausgewählt, darunter gewaltfreie Kommunikation, Menschenrechte und Ernährung.

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