© alliancesud
29. Januar 2026

Starbucks’ «Ethik» der Steuervermeidung

© alliancesud

Erneut gerät der Kaffeekonzern Starbucks wegen zwielichtiger Instrumente zur Steueroptimierung in die Schlagzeilen – mittendrin wieder die Schweiz: Ein neuer Bericht zeigt, wie der grösste Kaffeeverkäufer der Welt Kolumbien und Tansania mit Hilfe seines Handelsbüros in Lausanne um Steuereinnahmen bringt.

Medienmitteilung des entwicklungspolitischen Kompetenzzentrums Alliance Sud, das von Helvetas und anderen grossen Schweizer Hilfswerken getragen wird.

Das Recherchezentrum CICTAR (Center for international Corporate Tax Accountability and Research) zeichnet nach, wie Starbucks hohe Gewinne in seinem Handelsbüro in Lausanne statt in den Kaffeeproduktionsländern Kolumbien und Tansania verbucht. Dominik Gross, Experte für internationale Steuerpolitik bei Alliance Sud, sagt: «Starbucks zahlt einen grossen Teil seiner Steuern nicht in den Anbauländern, wo Kaffeebäuer:innen für dessen Wertschöpfung schuften, sondern im Kanton Waadt, wo der Konzern von sehr tiefen Steuersätzen profitiert.» So fehlt Kolumbien und Tansania Geld für die Finanzierung ihrer öffentlichen Dienste. Zudem werden die Löhne der Kaffeebäuer:innen durch die geringen Margen vor Ort gedrückt. 

Bereits im Frühling 2025 zeigte CICTAR, wie Starbucks Verkaufsländer seines Kaffees um Steuereinnahmen bringt. Als Vorwand für die Gewinnverschiebungen, die zu einer Rendite von bis zu 18% in Lausanne führen, dient Starbucks ausgerechnet sein «Ethikprogramm», mit dem es sich gegenüber den Konsument:innen in aller Welt als faire Kaffeefirma verkauft. Der neue CICTAR-Bericht analysiert nun die einzigen öffentlich zugänglichen Jahresabschlüsse der «Farmer Support Centers» von Starbucks in Kolumbien und Tansania. Dies zeigt, dass die Ausgaben zur Unterstützung vernachlässigbar und die Vorteile für die Bäuerinnen und Bauern minimal sind.

Die OECD in den Fängen von Trump 

Der Fall Starbucks zeigt exemplarisch, wie die vorherrschenden Steuerregeln der OECD Grosskonzerne und Steuerdumping-Länder wie die Schweiz bevorteilen: Die jüngsten steuerpolitischen Zugeständnisse der OECD-Länder an die  Trump-Regierung höhlen die erst 2024 eingeführten OECD-Mindeststeuer-Regeln zu Gunsten der USA und Tiefsteuerländern wie der Schweiz zusätzlich aus. Gleichzeitig werden durch die massiven Kürzungen der Budgets der internationalen Zusammenarbeit in zahlreichen Ländern inklusive der Schweiz zusätzliche Steuereinnahmen für die nachhaltige Entwicklung noch wichtiger

Hoffnung in der UNO 

Ein Ausweg aus dieser dramatischen Lage ist die neue UNO-Steuerkonvention. Nächste Woche startet in New York eine weitere Verhandlungsrunde. Dort wird die Schweiz einmal mehr die Vorherrschaft der OECD an vorderster Front verteidigen. Dominik Gross: «Als UN-Sitzstaat, der das internationale Genf beherbergt und oft als Vermittler zwischen den Machtblöcken agiert, geniesst die Schweiz in der UNO einen guten Ruf. Mit ihren steuerpolitischen Positionen schadet sie ihrer Reputation und torpediert damit neue Finanzmittel für die Entwicklungsfinanzierung.» Letztlich gegen ihre eigenen Interessen: Eine Welt, in der die finanziellen Mittel fehlen, um Armut und die Folgen von Krieg und Klimakrise zu bekämpfen, ist auch für die Schweiz eine Bedrohung. 

Für weitere Informationen:

Dominik Gross, Experte für internationale Steuerpolitik bei Alliance Sud: dominik.gross@alliancesud.ch, +41 (0)78 838 40 79. 

Ab Montag, 2. Februar, ist Dominik Gross für die Verhandlungen zur UNO-Steuerkonvention in New York.