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«Was ich hier lerne, ist längst nicht nur fürs Studium»

Die 23-jährige Berner Agronomiestudentin Sera Jane Hostettler unterstützt in einem Helvetas-Projekt in Mosambik Bauernfamilien dabei, ihre Erdnussernte zu schützen. Eine Erfahrung nicht nur fürs Studium, sondern fürs Leben.
VON: Redaktion – 18. September 2019
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«Ich erforsche im Norden von Mosambik, mit welchen einfachen biologischen Mitteln Bäuerinnen und Bauern am besten verhindern können, dass ihre Erdnüsse von Aflatoxin – einer krebserregenden Substanz – befallen werden. Ich teste mehrere Verfahren: ein biologisches Granulat, das die Entwicklung des Pilzes im Feld hemmt, eine Lösung aus effektiven Mikroorganismen und eine einfache Salzlösung.

Unmittelbar vor meiner Abreise aus der Schweiz vor vier Monaten, da fragte ich mich ehrlich gesagt schon: Warum bloss gehe ich in ein mir völlig fremdes Land, eine mir unbekannte Kultur, und das für sechs Monate, mit der Mission meine Bachelorarbeit zu erarbeiten, ohne zu wissen, was mich erwartet? Die Anspannung war gross. Ebenso gross war der Kulturschock als ich dann ankam. Die ersten Monate waren nicht ohne Herausforderungen. Ich kannte noch niemanden, sprach kaum Portugiesisch. Und als ich erstmals in ein Dorf kam und mich Hunderte Augen anstarrten, fühlte ich mich wie gelähmt – und überfordert. Wie in vielen anderen Alltagssituationen auch, überwand ich mich aber immer wieder aufs Neue und wurde dafür stets mit unvergesslichen Erfahrungen belohnt.

Ich habe grossen Respekt vor den Menschen hier. Ich sehe, wie sie zu kämpfen haben, weil der Staat nicht wie bei uns für alles sorgt. Alles, was es hier gibt, haben sie sich selber aufgebaut, entsprechend einfach sind die Dinge organisiert. Und doch funktioniert es irgendwie. Die Leute schätzen es ungemein, dass ich um die halbe Welt gereist bin, um mit ihnen etwas zu verändern. Dem will ich gerecht werden.

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Ich verbringe viel Zeit im Labor und mit der Datenauswertung. Aber immer wieder bin ich in den Dörfern, rede mit den Bäuerinnen und Bauern, frage nach ihren Erfahrungen mit der Erdnussproduktion. In gut einem Monat will ich ihnen meine Resultate präsentieren können.

Ich habe hier die Möglichkeit, schon als Bachelorstudentin zu erleben, wie meine Arbeit als Agronomin später konkret aussehen könnte – insbesondere in der Entwicklungszusammenarbeit. Das ist eine einmalige Chance. Das Feldpraktikum ist fester Bestandteil meines Studiums in Internationaler Landwirtschaft an der HAFL, der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften der Berner Fachhochschule. Solche Praktika werden von Entwicklungsorganisationen wie Helvetas ausgeschrieben, wenn sie in ihren Projekten bestimmten Forschungsfragen nachgehen wollen. Dabei dient ein Teil der Arbeitszeit der Forschungsarbeit, ein Teil der Mitarbeit im Projekt.

 Was ich hier alles lerne, ist längst nicht nur fürs Studium: Flexibilität, Kommunikation, Teamarbeit, und wie man herausfordernde Situationen meistert. Denn vieles muss ich selber aufgleisen, Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen, das ist anspruchsvoll. Dafür kann man am Ende sagen: Ich habe das geschafft! Darauf bin ich auch stolz. Aber vor allem regt eine solche Lebensumstellung jeden Tag zum Denken an.

Ich rate allen, eine solche Chance zu nutzen. Es tönt banal, aber man muss wirklich selber erleben, dass so, wie wir in der Schweiz leben, global gesehen nicht der Normal-, sondern der Ausnahmefall ist. Ich wünschte, mehr Leute würden sich Zeit für eine solche Erfahrung nehmen. Regelmässig muss ich schmunzeln, wenn wieder etwas anders läuft als geplant und gekonnt improvisiert wird. Dann denke ich: «Willkommen im richtigen Leben». Auch ich lasse mich heute nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen.

Mittlerweile bin ich richtig angekommen und habe mosambikanische Freunde gefunden. Die Sprache ist der Schlüssel zu den Menschen. Oder ist es, zusammen Lachen zu können…? Die positive Mentalität steckt an. Jetzt, wo ich mich hier eingelebt habe, bedaure ich bereits, dass ich so bald wieder abreisen muss. Den Menschen hier werde ich innerlich verbunden bleiben.»

Die Bernerin Sera Jane Hostettler, 23, ist Bachelorstudentin in Agronomie an der HAFL, sie absolvierte von April bis Oktober 2019 ein Feldpraktikum bei Helvetas in Nampula im Norden von Mosambik.

Erste Berufserfahrung für Studierende aus der Schweiz

Die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) der Berner Fachhochschule bietet Agronomie-Studierenden die Vertiefung Internationale Landwirtschaft an. Ein wichtiger Aspekt der Vertiefung ist das Feldpraktikum mit einer Partnerinstitution in Entwicklungsländern. So können Studierende Einblicke ins Berufsleben gewinnen, ihre sozialen und interkulturellen Kompetenzen ausbauen – und eine oft prägende Erfahrung fürs Leben machen. Helvetas schreibt regelmässig Praktika in landwirtschaftlichen Projekten aus. Damit sorgen immer wieder junge HAFL-Studierende für nützliche wissenschaftliche Erkenntnisse in Zusammenarbeit mit der einheimischen Bevölkerung. Hier mehr erfahren über das Studium an der HAFL.

Wie wir Menschen in Tansania unterstützen

Helvetas hilft den Bauern von Tansania dabei, ihre Anbau- und Vermarktungsmethoden zu optimieren.Und wir engagieren uns für die Primarschulbildung.