Der neue Welthunger-Index zeigt: Konflikte, Klimakrise und wirtschaftliche Unsicherheit bremsen Fortschritte im Kampf gegen Hunger. Helvetas ist Mitherausgeberin des neuen Berichts und hält fest: «Keine Sicherheit ohne Ernährungssicherheit!»
Die weltweite Hungersituation verschlechtert sich seit einigen Jahren wieder – nach fast zwei Jahrzehnten der Verbesserung. Das zeigt der neue Welthunger-Index 2026, der seit 2006 jährlich publiziert wird. Helvetas, die Schweizer Organisation für Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe, ist neu Mitherausgeberin, zusammen mit der Deutschen Welthungerhilfe und dem Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht der Universität Bochum.
Konflikte, Klimakrise und wirtschaftliche Unsicherheit haben dazu geführt, dass der globale Hungerwert erstmals wieder höher liegt als 2018. Helvetas warnt davor, Ernährungssicherheit als rein humanitäres Thema zu betrachten: «Es gibt keine Sicherheit ohne Ernährungssicherheit», sagt Geschäftsleiter Melchior Lengsfeld. Weltweit weisen 44 Länder ein ernstes oder sehr ernstes Hungerniveau auf.
Konflikte bleiben ein zentraler Treiber von Hunger
Konflikte gehören weiterhin zu den wichtigsten Ursachen von Hunger, während Hunger seinerseits Instabilität und gesellschaftliche Spannungen verschärfen kann. «Ernährungssicherheit ist eine Voraussetzung für Frieden und Stabilität. Wer über Sicherheit spricht, sollte nicht nur an Waffen und Verteidigung denken. Menschen, die nicht genug zu essen haben, verlieren Perspektiven, geraten schneller in Krisen und können sich schlechter an Schocks anpassen», sagt Melchior Lengsfeld.
Der neue Bericht weist darauf hin, dass die Zahl staatlicher bewaffneter Konflikte heute so hoch ist wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Gleichzeitig ist die Finanzierung von Massnahmen gegen Hunger und Mangelernährung in Krisengebieten auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gefallen.
Helvetas setzt sich gegen Hunger ein
Besonders besorgniserregend ist die Lage in mehreren Ländern, in denen Helvetas tätig ist: In Madagaskar ist das Hungerniveau «sehr ernst». Auch Haiti und Niger sind sehr stark betroffen. In Mosambik, Pakistan, Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Mali, Tansania und Laos stuft der Bericht die Lage als «ernst» ein. Helvetas setzt sich gegen Hunger ein; in Haiti beispielsweise unterstützt die Schweizer Organisation mit dem World Food Programme 9'000 Haushalte. Bargeldhilfen ermöglichen es den Familien, Lebensmittel und andere lebenswichtige Güter zu kaufen und Krisen besser zu bewältigen.
Der neue Welthunger-Index zeigt aber auch, dass Fortschritte möglich sind: Nepal, ein Land, in dem sich Helvetas seit Jahrzehnten engagiert, gehört zu den Ländern, die in den vergangenen Jahrzehnten besonders grosse Verbesserungen erzielt haben.
Konkrete Forderungen
Helvetas-Geschäftsleiter Melchior Lengsfeld warnt: «Es kann nicht sein, dass auch heute noch Menschen hungern müssen. Mangelernährung und Hunger betreffen speziell Kinder. Sie leiden oft lebenslang unter den Folgen und kommen nicht aus der Armutsspirale hinaus.»
Der Welthunger-Index fordert Regierungen und internationale Geber auf, Ernährungssicherheit stärker in Friedens-, Sicherheits- und Resilienzstrategien zu verankern. «Notwendig sind etwa Investitionen in widerstandsfähige Ernährungssysteme, Frühwarnsysteme und eine klimaresiliente Landwirtschaft.»
Der Welthunger-Index ist eine von externen Expert:innen begutachtete jährliche Publikation, welche die Hungersituation auf globaler, regionaler und nationaler Ebene erfasst. Er misst die Hungersituation anhand von vier Indikatoren: Unterernährung, Wachstumsverzögerung, Auszehrung bei Kindern und Kindersterblichkeit.
Interviewmöglichkeit:
Frank Eyhorn, Ernährungsexperte, Helvetas,
frank.eyhorn@helvetas.org, TEL: 076 483 60 70
Weitere Informationen:
GHI-Bericht 2026 zum Download (auf Englisch)
Zusammenfassung des GHI-Berichts 2026 zum Download
Event zum GHI in Bern (hybrid) auf Englisch: Global Hunger Index Event 2026 Bern | Helvetas
Anlass zum Welthunger-Index in Bern
Helvetas lädt am Mittwoch, 21. Oktober 2026, in Bern zu einer öffentlichen Veranstaltung ein rund um den Welthunger-Index und die Wechselwirkungen zwischen Hunger, Konflikten, Klima und globaler Sicherheit. Fachpersonen aus Politik, Entwicklungszusammenarbeit und Wissenschaft diskutieren über Ursachen und Lösungsansätze. Zu den Teilnehmenden zählen u.a. Prof. Dr. Chinwe Ifejika Speranza, Mitglied des Helvetas-Vorstands und Expertin für nachhaltige Entwicklung und Ernährungssysteme, sowie Meron Wubishet, Expertin für Ernährungssicherheit und Resilienz aus Äthiopien. Medien haben die Möglichkeit, mit den Referentinnen vor Ort oder telefonisch Interviews zu führen. Weitere Informationen: Global Hunger Index Event 2026 Bern | Helvetas.
