Wie Unterstützung Hoffnung schafft

Der Krieg in der Ukraine geht ins fünfte Jahr, das Leben ist weiterhin geprägt von Unsicherheit und der ständigen Sorge um das Nötigste. Lernen Sie hier Menschen kennen, die dank Helvetas trotz der schwierigen Umstände wieder ein Stück Normalität in ihren Alltag bringen konnten.
23. Februar 2026

Fliessend Wasser für Inna Kuschnarowa, Wolochiw Jar

In den ersten Tagen der russischen Vollinvasion besetzten Soldaten die Ortschaft Wolochiw Jar in der Region Charkiw. Inna Kuschnarowa erinnert sich: «Vom ersten Tag der Besatzung an, als die russischen Soldaten in unser Dorf kamen, gab es keinen Strom mehr. Einen oder zwei Tage lang hatten wir noch Handynetz. Danach war alles weg.»

Die rund 800 Einwohner:innen von Wolochiw Jar sassen in kalten und dunklen Häusern und fürchteten um ihr Leben: «Ganz leise haben wir den Generator in Betrieb genommen. Mein Mann hat ihn in der Garage versteckt. So konnten wir wenigstens unsere Handys aufladen und das Haus ganz leicht beheizen.»

Diese Zeiten gehören zum Glück der Vergangenheit an. Nach fast einem halben Jahr befreite die ukrainische Armee das Dorf im September 2022. Doch ohne Strom und Wasser gibt es auch in Freiheit kein normales Leben. Mit Unterstützung von Helvetas und der Glückskette konnte im Ort eine Solaranlage aufgebaut und in Betrieb genommen werden.

Die Solaranlage sichert die Wasserversorgung in der Ortschaft, trotz des zerstörten Wasserturms und trotz gezielter Angriffe auf die Strom- und Energieinfrastruktur in der Region Charkiw. Für die Menschen ist das überlebenswichtig: «Selbst unter schwerem Beschuss und ohne Strom haben wir jetzt noch Wasser. Die Akkus und Solarpanels retten uns im Alltag», fasst die 48-Jährige die Situation zusammen.

Inna Kuschnarowa kocht Tee in ihrer Küche und erzählt nicht ohne Stolz: «In diesem Tee ist unser eigener Honig drin.» Der Tee wärmt mitten im kalten Schneewetter Ende Januar. Ohne Hilfe aus der Schweiz hätte Inna Kuschnarowa keine Möglichkeit, sich selbst eine Tasse Tee zu kochen. Was fern der Ukraine selbstverständlich scheint, bedeutet im Krieg ein Stück Sicherheit.

 

Inna Kuschnarowa | © Luzia Tschirky
Dank der Solar-Anlage, die von Helvetas mitunterstützt wurde, fliesst bei Inna Kuschnarowa zu Hause wieder Wasser. © Luzia Tschirky
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Inna Kuschnarowa | © Luzia Tschirky
Rechts im Hintergrund von Inna Kuschnarowa ist die Solar-Anlage in Wolochiw Jar zu sehen.  © Luzia Tschirky
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Ein warmes Zuhause für Familie Sajka, Moschun

Kurz nach Beginn des Angriffskrieges musste die Familie Sajka aus ihrem Dorf Moschun fliehen, das rund 30 Kilometer nordwestlich von Kyjiw liegt. Die beiden Häuser auf ihrem Grundstück wurden während der Kämpfe durch die russische Armee zerstört. Mit Unterstützung konnten sie das Familienhaus neu aufbauen.

Die Familie konnte wieder in ihr Zuhause zurückkehren und ist dort heute sogar im Winter, der dieses Jahr mit Temperaturen von bis zu -25 Grad besonders kalt ist, gut geschützt. Möglich macht das die umfassende Dämmung, die Helvetas gemeinsam mit der Glückskette finanziert hat. «Dank dieser Hilfe heizen wir nur noch einmal pro Tag und es ist jetzt viel wärmer im Haus», freut sich Vater Wolodymyr. Auch neue Türen konnten dank Helvetas eingesetzt werden.

Während Wolodymyr im Schuppen vor dem Neubau Holz für den Ofen hackt, rennt sein fast vierjähriger Sohn Nasar durch den Schnee. Nasar gehört zu jener jüngsten Generation in der Ukraine, die keine Erinnerung an ein Leben ohne Krieg hat. Für ihn und seine vier Schwestern hoffen die Eltern, im kommenden Sommer den zweiten Stock des Hauses ausbauen zu können. Bislang fehlte dafür das Geld – derzeit teilen sich die Eltern und die fünf Kinder drei Zimmer im Erdgeschoss.

Obwohl die heftigen Kämpfe um Moschun vier Jahre zurückliegen, sind die Spuren des Krieges allgegenwärtig. In einem Holzscheit fand Wolodymyr einen Granatsplitter. Hinter dem neuen Haus stehen die Ruinen des zweiten Hauses, in dem die Grossmutter der Familie lebte. Sie gilt bis heute als vermisst. «Man lebt so, dass man nichts im Voraus plant», sagt Wolodymyr. «Wenn man morgens aufwacht, ist man dankbar, dass man noch lebt.»

 

Familie Sajka | © Luzia Tschirky
Katja (21) und ihre beiden jüngeren Geschwister Nasar und Angelyna im neu errichteten Familienhaus in Moschun.  © Luzia Tschirky
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Familie Sajka | © Luzia Tschirky
Auf der linken Bildhälfte ist das durch den Krieg zerstörte Haus der Grossmutter der Familie Sajka zu sehen, rechts das wieder aufgebaute Haus der Familie Sajka. © Luzia Tschirky
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Familie Sajka | © Luzia Tschirky
Die Kinder Nasar,  Angelyna und Katja Sajka (von links nach rechts) geniessen die Wärme im Haus.  © Luzia Tschirky
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Familie Sajka | © Luzia Tschirky
Wolodymyr Sajka beim Holz hacken. Dank der Dämmung braucht die Familie viel weniger Holz zum Heizen. © Luzia Tschirky
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Eine sinnstiftende Tätigkeit für Anastasiia Klymenko, Hermaniwka

Rund 60 Kilometer südlich von Kyjiw liegt das Dorf Hermaniwka, eingebettet in sanfte Hügel. Hier ist Anastasiia Klymenko aufgewachsen und hierher kehrte sie später mit ihrer eigenen Familie zurück. Nach Beginn des russischen Grossangriffs machte sich die 41-Jährige mit einer eigenen Kleidermarke selbstständig. «Eigentlich wollte ich 2022 zum Militär gehen, aber ich wurde nicht genommen», erzählt sie. Stattdessen engagierte sie sich freiwillig und sah, wie viele Menschen mit Amputationen aus dem Krieg zurückkehrten. «So entstand die Idee, bequeme Kleidung für sie zu entwickeln.»

Mit einer Arm- oder Beinprothese wird Alltägliches zur Herausforderung: Reissverschlüsse, Knöpfe oder enge Schnitte machen herkömmliche Kleidung oft untragbar. Anastasiia Klymenko entwirft deshalb funktionale Stücke, die Selbstständigkeit ermöglichen. «Wer sich schnell und ohne Hilfe anziehen kann, fühlt sich auch emotional stärker. Gerade für Veteraninnen und Veteranen ist das wichtig. Meine Kleidung soll zeigen: Ihr gehört selbstverständlich zu unserer Gesellschaft.»

Kleine und mittlere Unternehmen bilden das Rückgrat der ukrainischen Wirtschaft und sind entscheidend für den Wiederaufbau. Helvetas fördert deshalb gezielt die Widerstandsfähigkeit von Kleinst-, Klein- und Mittelbetrieben und trägt damit zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Stärkung der lokalen Wirtschaft bei.

So auch bei Anastasiia Klymenko: Dank der Unterstützung von Helvetas konnte sie in moderne Nähtechnik investieren und eine Weiterbildung absolvieren. Heute ist sie überzeugt: «Das ist meine Lebensaufgabe.» Besonders erfüllt sie der Moment, wenn Kund:innen sich in ihrer Kleidung wohlfühlen. Diese Zufriedenheit könne kein Geld ersetzen. Künftig möchte Anastasiia Klymenko auch Menschen mit Behinderungen beschäftigen und so ihr Engagement für die Gesellschaft weiter ausbauen.

 

Anastasiia Klymenko | © Luzia Tschirky
Anastasiia Klymenko in ihrem Nähatelier in Hermaniwka. © Luzia Tschirky
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Anastasiia Klymenko  | © Luzia Tschirky
Anastasiia Klymenko vor ihrem Atelier © Luzia Tschirky
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Nothilfe Ukraine

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