SIBEL

Guillaume Giovanetti & Çagla Zencirci – Türkei 2018 – 95 Min, Ov/d

Sibel lebt zusammen mit ihrem Vater und ihrer Schwester in einem türkischen Bergdorf. Sie ist seit ihrer Kindheit stumm, kann jedoch in einer in der Region verbreiteten Pfeifsprache kommunizieren. Die junge Frau widersetzt sich den patriarchalen Strukturen der Dorfgemeinschaft und verbringt viel Zeit alleine in den Wäldern auf der Suche nach einem Wolf, der dort den Gerüchten nach umherstreift. Dabei trifft sie auf einen Fremden, der sich in den Wäldern versteckt...

Sibel feierte Premiere am Locarno Film Festival 2018 und gewann dabei Preise in drei Kategorien. Insgesamt wurde Sibel 17 Mal an Filmfestivals nominiert und erhielt Preise in 9 Kategorien.

Gepfiffen wird in diesem Film immer wieder. Das ist kein Spleen des Filmpaars Guillaume Giovanetti und Çağla Zencirci, weil es der stummen Hauptfigur so eine Kommunikationsmöglichkeit geben wollte: Nein, sie haben ihre Geschichte in der Region um Kusköy am Schwarzen Meer angesiedelt, wo die Menschen eine althergebrachte Pfeifsprache beherrschen. Die exotisch anmutende Vogelsprache gehört zur Zeichnung der Hauptfigur. Diese heisst Sibel, und ihre Schönheit ist vorerst eine raue, wilde, äussere, denn der Film beschreibt so etwas wie den Weg einer Menschwerdung. Sibel, ein «Enfant sauvage», lernt ihre Schönheit zu begreifen: Es ist die Geschichte einer Selbstwerdung.
Die atemlos wirkende Sibel wird verkörpert von Damla Sönmez, die den Film wie ein Stummfilmstar prägt. Ihre Stummheit hat sie im Dorf in die Aussenseiterinnenrolle gezwungen, sie ist gern allein, bricht auf in den Wald, wo sie sich ein kleines Refugium eingerichtet hat. Die Aufnahmen aus den Hängen der atmenden Bäume sind überwältigend, die Landschaft verschlingt die Menschen, der immense Wald ist Rückzugsort, Fluchtpunkt, Märchenwald und Hort der Ängste. Wenn Sibel rastlos zwischen den Bäumen umherrennt, schlägt ihr Puls hoch und unserer mit ihrem. Alles spitzt sich zu, als die wilde junge Frau im Wald auf einen Fremden stösst, der sich versteckt. Endlich erfährt sie, wie ihr jemand auch ohne Vorurteile begegnen kann. Das Filmerpaar beschreibt eine Annäherung, die aus radikaler Abwehr heraus geschieht und letztlich in ihrer Wildheit zärtlicher wirkt als das, was das Kino uns traditionell bietet. Sibel ist eine junge Frau, die sich selber finden und erfahren muss, um in der Gemeinschaft künftig Bestand zu haben.
- trigon-film.org

«Sibel ist ein zeitgenössisches Märchen.»
- Radio SRF

«Das türkisch-französische Filmemacher-Paar Guillaume Giovanetti und Çagla Zencirci erzählt eine mitreissende Emanzipationsgeschichte: Je härter die Dorfgemeinschaft ihre Regeln durchsetzen will, umso wilder regt sich in Sibel die Energie des Widerstands.»
- Christine Loetscher, Züritipp

«Märchenhaft-herbes Drama: Guillaume Giovanetti und Çagla Zencirci inszenieren das alles sehr naturnah-realistisch und mit viel Gefühl für die Schönheit und symbolische Kraft der wild-zerklüfteten Hügellandschaft, in der Sibel spielt. Körperlich kraftvolles Spiel der zartgliedrigen Hauptdarstellerin Damla Sönmez, die sich einen ganzen Film lang pfeifend, statt sprechend, sensationell zu behaupten vermag.»
- Irene Genhart, Cineman

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