Helvetas fordert gemeinsam mit über hundert Organisationen weltweit mehr Engagement gegen die globale Wassernot. Am bevorstehenden Ministertreffen zu Wasser und Hygiene in Washington (23. April 2010) sollen die Weichen für ein konzertiertes Vorgehen gestellt werden.
Nur 42 Prozent der Entwicklungshilfe für Wasser und Hygiene fliesst tatsächlich dahin, wo die Not am grössten ist: in die ärmsten Länder. Dies zeigt ein Bericht von WHO und UNICEF, der im Vorfeld des ersten Ministertreffens zur Bekämpfung der globalen Wasser- und Hygienekrise veröffentlicht wurde. Der Bericht zeigt auch, dass die Hilfe sehr ungleichmässig verteilt ist:
- Von 2006 bis 2008 erhielt Jordanien im Schnitt 500 Dollar Entwicklungshilfe für jede Person ohne Zugang zu Wasser, während Tschad nur 3 Dollar erhielt.
- Im gleichen Zeitraum erhielt Georgien im Schnitt 250 Dollar für jede Person ohne Zugang zu sanitären Anlagen, Nepal nur einen Dollar.
Damit bleiben die Ärmsten in der Armutsfalle gefangen. Helvetas warnt als Mitglied der internationalen Plattform «End Water Poverty», dass die Milleniumsziele der UNO zur Bekämpfung von Armut und Krankheit unerreichbar bleiben, wenn die Entwicklungshilfe nicht erhöht und nicht besser kanalisiert wird.
«End Water Poverty», eine Koalition von über hundert Organisationen, ruft die Länder auf, mindestens 70 Prozent ihrer Entwicklungshilfe an die ärmsten Länder zu richten und zusätzliche Mittel zu investieren. Mit zusätzlichen Mitteln für Trinkwasserversorgungen und sanitäre Anlagen könnte verhindert werden, dass täglich 4000 Kinder an Durchfallerkrankungen sterben. Doch der Trend zeigt in eine andere Richtung. Der Anteil für Wasserpejekte und für sanitäre Anlagen ging von 6,3 Prozent auf 4,7 Prozent der gesamten Entwicklungshilfe zurück.
Melchior Lengsfeld, Geschäftsleiter von Helvetas, sagt: «Der neue Wasser-Bericht beweist, dass die Entwicklungsgelder von Regierungen nicht immer jene erreicht, die sie am meisten benötigen. Wir müssen mehr tun und das Geld klüger investieren, um Wasser und Hygiene den 2.6 Milliarden Menschen zu bringen, die ums Überleben kämpfen.» Laut einer Studie zahlt sich jeder investierte Franken neunfach aus.
Anlaufstellen für Medienschaffende:
Matthias Herfeldt, Mediensprecher Helvetas 044 368 65 48 oder 076 338 59 38
Steve Cockburn, Koordinator End Water Poverty +44 (0)778 685 29 12
Anmerkungen:
• Das Ministertreffen zu Hygiene und Wasser («High-Level Meeting on Sanitation and Water») wird von UNICEF organisiert und ist Teil der neu lancierten Initiative «Sanitation and Water for All: A Global Framework for Action (SWA)». Mehr Informationen unter http://www.unwater.org/activities_san4all.html.
• «End Water Poverty» hat Empfehlungen für das Ministertreffen formuliert, die 120 Organisationen weltweit – so auch Helvetas - unterschrieben haben. Siehe www.endwaterpoverty.org/hlmmanifesto.
Kennzahlen zu Wasser und Hygiene:
• Täglich sterben 4000 Kinder an Durchfallerkrankungen, weil sie keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.
• Die Hälfte der Spitalbetten in Schwarzafrika ist wegen Durchfallerkrankungen belegt.
• Wegen schlechten Hygienebedingungen bricht die Hälfte der Mädchen in Afrika die Schule ab.
• Jeder in sanitäre Anlagen investierte Dollar gibt einen ökonomischen Gewinn von 9 Dollar.
• 5 Prozent des afrikanischen Bruttoinlandprodukts geht jedes Jahr verloren wegen Hygienemangels und durch verschmutztes Wasser verursachte Krankheiten.
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