© Helvetas/Simon B.Opladen
Burkina Faso

Eine Strasse, die das Dorfleben verändert

© Helvetas/Simon B.Opladen

Mit Unterstützung von Helvetas planen und bauen ländliche Gemeinden in Burkina Faso die Infrastruktur, die ihnen den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen ermöglicht und ihnen hilft, ihre wirtschaftlichen Aktivitäten zu entwickeln.

  • Projektname
    Infrastructures en Haute Intensité de Main d'œuvre (HIMO)
  • Finanzierung
    Verschiedene Partner
  • Thematischer Schwerpunkt
    Brücken und Strassen

Warum ländliche Strassen bauen?

Für viele der Dorfbewohner:innen in Burkina Faso ist der Weg zu Märkten, Gesundheitszentren, Schulen oder zum Rathaus nicht einfach, da die Strassen schwer befahrbar sind. Vor allem während der Regenzeit machen Überschwemmungen das Reisen fast unmöglich.

Seit 2003, als Helvetas begann, in Burkina Faso zu arbeiten, setzen wir uns dafür ein, den Zugang zur Grundversorgung zu sichern und die Entwicklungschancen dieser Gemeinden zu verbessern.

Der Bau von Landstrassen und zunehmend auch andere infrastrukturelle und naturnahe Lösungen wie die Erschliessung des Tieflandes oder die Wiederaufforstung werden mit einem arbeitsbasierten Ansatz durchgeführt. Dieser Ansatz bezieht lokale Behörden, Gemeinden und ihre öffentlichen und privaten Partner in die Planung, den Bau und das Management der Infrastruktur ein.

© Isso Bationdo
Schritt 1: Lokale Arbeitskräfte machen Bruchsteine für den Bau der Überquerungsbauwerke und die Anlage von Steinreihen entlang der Piste ab. © Isso Bationdo
1/4
© Isso Bationdo
Schritt 2: Ein Projekttechniker überwacht den Bau einer Sohlschwelle, die quer zur Strömungsrichtung eines Flusses verläuft und dessen Tiefenerosion vermindert. © Isso Bationdo
2/4
© Isso Bationdo
Schritt 3: An einer Sensibilisierungssitzung erfährt die lokale Bevölkerung, wie sie eine gebaute Piste zukünftig instandhalten kann.  © Isso Bationdo
3/4
© Isso Bationdo
Schritt 4: Ein Händler transportiert seine Waren über eine neu errichtete Strasse. Dieser Teil der Strasse war in der Wintersaison unpassierbar. Der Überquerungsbau ermöglicht es der Bevölkerung, die Untiefen und Wasserläufe zu jeder Jahreszeit zu überqueren. © Isso Bationdo
4/4

Helvetas unterstützt die kommunalen und regionalen Behörden dabei, in der Planung, Programmierung, Mobilisierung und Verwaltung der Ressourcen für den Bau oder die Sanierung von Infrastruktur zunehmend autonom zu werden.

Wir arbeiten mit lokalen Unternehmen und Ingenieurbüros zusammen und schulen sie in arbeitsintensiven Methoden, die den Einsatz von leichtem Gerät, lokalen Materialien und intensiver Arbeit beinhalten. Wir rekrutieren und schulen Männer und Frauen, die die Bauarbeiten durchführen.

Dieser Ansatz ermöglicht es, sich auf die Schaffung von Arbeitsplätzen zu konzentrieren, zur Armutsbekämpfung beizutragen und vor allem Kapazitäten in den Dörfern aufzubauen und den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Die Bevölkerung nimmt an allen Phasen der Bauarbeiten teil; sie arbeitet zusammen mit den Institutionen und erkennt die Bedeutung der Beteiligung der Gemeinschaft an Entscheidungen über die zu bauende Infrastruktur und deren Verwaltung.

Der Prozess

  • Gemeinden reichen ihre Anträge für den Bau von Infrastruktur ein
  • Alle Anträge werden von einem Schlichtungsausschuss geprüft, der nach sozioökonomischen, technischen und demografischen Kriterien eine Entscheidung trifft
  • Für lokale Unternehmen und Ingenieurbüros, die das Projekt und die Bauarbeiten durchführen, wird eine Schulung zum arbeitsbasierten Ansatz organisiert
  • Die Dorfgemeinschaften werden für das Projekt sensibilisiert und es werden Mechanismen zur Rekrutierung von Arbeitskräften und zur Vermeidung und Lösung von Konflikten eingerichtet
  • Ausbildungsstätten werden eingerichtet, um lokale MaurerInnen zu schulen
  • In jeder am Strassenbau interessierten Gemeinde werden Dorfkomitees für die Verwaltung und Instandhaltung der Landstrassen gebildet
© Helvetas/Franca Roiatti
Mehr als 195000 lokal rekrutierte Menschen arbeiteten beim Aufbau der Infrastruktur in 50 Gemeinden in Burkina Faso. © Helvetas/Franca Roiatti
1/3
In den laufenden arbeitsbasierten Projekten sind mehr als 64% der lokalen Arbeitskräfte Frauen.
2/3
Schulen werden eingerichtet, um lokale Maurer auszubilden.
3/3

Auswirkungen

Der arbeitsbasierte Bau der Infrastruktur hatte positive wirtschaftliche und soziale Auswirkungen für die Gemeinden. Eine Wirkungsstudie hat gezeigt, dass die Haushaltseinkommen durch die zusätzlichen Gewinne aus der Beteiligung am Bau der Strassen und durch den besseren Zugang zu Märkten für den Verkauf landwirtschaftlicher Produkte und den Kauf landwirtschaftlicher Betriebsmittel um 90% gestiegen sind. Der Bau ländlicher Strassen ermöglicht es den Frauen, leichter zu Gesundheitszentren für die Schwangerschaftsvorsorge und die Geburt zu gehen, was dazu beiträgt, Komplikationen zu begrenzen, die bei Hausgeburten auftreten können. Das zusätzliche Einkommen half ausserdem 79% der Bevölkerung, ihren Gesundheitszustand zu verbessern, 74% der Bevölkerung, ihr Kapital zu erhöhen, und 72%, ein Haus zu renovieren oder neu zu bauen.

Nach dem Bau einer Strasse können Frauen für die Schwangerschaftsvorsorge und die Entbindung leichter zu Gesundheitszentren gehen. Das hilft, Komplikationen zu begrenzen, die bei einer Hausgeburt auftreten können.

Grüne Strassen für Resilienz

Strassen haben einen signifikanten Einfluss auf die Oberflächen- und Untergrundhydrologie und können daher ein wirkungsvolles Mittel zur Verbesserung des Managements natürlicher Ressourcen und zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit der Gemeinden werden.

Der arbeitsbasierte Ansatz ermöglicht es, den Strassenbau in ein Instrument zur Rückhaltung von Abflusswasser zu verwandeln, das Potenzial für Bewässerung und landwirtschaftliche Aktivitäten entlang der Strassen zu erhöhen, die Bodenerosion zu kontrollieren, Staub durch die Wiederaufforstung von Grenzen zu reduzieren und die Widerstandsfähigkeit gegen Überschwemmungen zu stärken.

Durch den Erfahrungsschatz im Strassenbau konnte Helvetas die Anwendungsgebiete des arbeitsbasierten Ansatzes ausweiten. Gegenwärtig werden mit der Methode verschiedene Arten von Arbeiten durchgeführt wie z.B. Tieflandbebauung, Gärtnereien, Dämme, Steinbarrieren, Wasserreservoirs, Brunnen, Aufforstung usw.

© Helvetas
Die Installation von Steinwülsten ermöglicht eine bessere Kontrolle des abfliessenden Wassers. © Helvetas
1/2
© @Helvetas
Durch das HIMO-Programm wurden fast 100 ha Flachland und Gemüseanbau-Perimeter entwickelt. © @Helvetas
2/2

Ergebnisse

In Burkina Faso hat Helvetas rund zwölf arbeitsbasierte Programme in 7 Regionen und 50 Gemeinden aufgebaut. Die gesammelte Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Gemeinden und lokalen Behörden hat es ermöglicht:

  • Rund 1000 km ländliche Strassen in mehreren Regionen des Landes zu bauen und zu rehabilitieren
  • die Erschliessung von ca. 480 Dörfern in den Interventionszonen
  • Erleichterung der Mobilität und des Zugangs zu grundlegenden sozioökonomischen Infrastrukturen (Schulen, Gesundheitszentren, Märkte, landwirtschaftliche und pastorale Produktionszonen usw.) für mehrere hunderttausend Menschen in abgelegenen Dörfern
  • die Erschliessung von 97 ha Tiefland und Gärtnerei-Perimetern
  • Schaffung von Arbeitsplätzen für fast 199'000 Menschen, davon 60% Frauen (lokale Arbeitskräfte). 

Laufende Projekte 

1. Unterstützungsprogramm für Dezentralisierung und Bürgerbeteiligung (DEPAC), finanziert von der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA): Bau von 70 km und Instandhaltung von 70 km Landstrassen.

2. Projekt zur Ernährungssicherung im Osten Burkina Fasos (PSAE), finanziert durch die französische Entwicklungsagentur (AFD): Bau von 100 km Landstrassen.

All die im Projekt gemachten Erfahrungen führten zur Gründung eines HIMO-Kompetenzzentrums, um die Skalierung, Verbreitung und Verstetigung der Expertise anzugehen. Dieses will hauptsächlich:

  • Die Resilienz der Bevölkerung (Gastgeber und intern Vertriebene) durch arbeitsplatzschaffende Investitionen in arbeitsintensive Infrastrukturen stärken
  • Investitionen und -Infrastrukturen (Primär- und Sekundärkanäle, ländliche Wege, Anlage von Untiefen oder Gemüseanbaugebieten usw.) durchführen. Dies verbessert die wirtschaftlichen Möglichkeiten von Frauen, Jugendlichen und sozial Schwachen, erhöht die Ernährungssicherheit, erschliesst die Regionen und Gemeinden und fördert den Handel und den Verkehr von Personen, Gütern und Dienstleistungen.
  • Durchführung von Grünarbeiten (Begrünung und Wiederherstellung von Böden)
  • Beratungsdienste anbieten
  • Berufsausbildung anbieten, die zur Beschäftigungsfähigkeit und zum Unternehmertum von Jugendlichen führt